— 29—
Heiden, ahd. heidane⸗Nichtchriſten, von heida, nhd. Heide, iſt die Uebertragung des lateiniſchen Wortes pagani von pagus, Dorf, Gau, weil ſich ſeit Conſtantin dem Großen das Heidenthum nur noch in den Dörfern(pagis) hielt; daher heidniſch, Heidenthum, Heidenvolk, Heidenbekehrer Heidentem⸗ pel u. a.
Heil, ahd. heil⸗ Glück, Heil, daher heilig, Heiliger, Heiligthum u. a., adj. ahd. heil⸗ geſund, daher heilen⸗ sanare, Hei⸗ land, part. p.⸗ salvator.
Himmel, ahd. himil, goth. himins, v. d. verlornen Wurzelverb himan⸗ decken, woher auch Hemd, alſo gleichſam Decke über der Erde, bei den Griechen und Lateinern das Hohle ⸗ „oĩov, coelum, dann in der bekannten chriſtlichen Bedeutung.
Hölle, goth. halja, ahd. hella, iſt der deutſchen Mythologie ent⸗ nommen. Der örtliche Begriff„Unterwelt“, welcher von den zum Chriſtenthum bekehrten Heiden mit dem X Jahrhundert auf den Ort der ewigen Verdammniß angewandt wurde, ging aus dem perſönlichen der im deutſchen Heidenthum ver⸗ ehrten grauenvollen Todesgöttin Hel, Helja hervor, welche die zu ihr niederfahrenden Seelen der an Krankheit und vor Alter Geſtorbenen in Empfang nimmt und unerbittlich feſt⸗ hält. Die Wurzel liegt in dem praeteritum hal v. ahd. hélan, nhd. hehlen.
Ostern, ahd. Ostarün, mhd. die Ostern, von Ostara, Ostrâ, dem Namen der bei den Deutſchen im Heidenthum den Kindern Eier ſchenkenden Göttin des neuen Frühlingsfeſtes.
Reue, ahd. riwe, riuwa⸗ Schmerz, Leid über Gethanes, mit Vertiefung des Sinnes im Chriſtenthume.
Sünde, ſtammverwandt mit lat. sons, ags. syn, engl. sin, ahd. sunta, suntia mit Vertiefung des Sinnes⸗ moraliſches Ver⸗ gehen, davon durch Ableitung und Zuſammenſetzung Sünder, ſündhaft, fündig, ſündigen, Sündenſchuld,—erlaß, ſold u. v. a.


