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Ungethüme, wie das Futurum exactum,„wenn ich den Brief geſchrieben haben werde“, und Aehnliches, während das älteſte Deutſch nur zwei tempora, das Prasens und Praeteritum beſaß, von denen das erſtere, wie noch jetzt vielfach, die Gegenwart und Zukunft, das letztere die geſammte Vergangenheit vertrat. Schließlich ſind wir berechtigt, auch die mit dem Althoch deutſchen beginnende Abſchleifung und Verwitterung der Formen auf Rechnung des vergeiſtigenden Chriſtenthums zu ſchreiben.„Mit dem durchdringenden Chriſtenthum, das ſich als einen Kampf des Geiſtes mit der Sinnlichkeit ankündigt, war ein löſender Thauwind in den zackigen Eispalaſt der Sprachformen gekommen, und ſo finden wir das Althochdeutſche zwar formenärmer, als das Gothiſche, aber ſchon leichter dem geiſtigen Ausdruck gehorchend.“ ¹) Dieſe Abſchleifung der Formen, welche mit einer ſtets wachſenden Ver⸗ geiſtigung der Sprache Hand in Hand geht, iſt bis in die neueſte Zeit in ſtetem Zunehmen begriffen ²). Gleichzeitig mit dieſer Zerſtörung der Formen, dieſer Trübung der Vokale, und nicht ohne Einfluß auf dieſelbe iſt die Verdrängung der Quantität durch den Ton, welche in der chriſtlichen Zeit in den bedeutendſten ſanskritiſchen Kulturſprachen, dem Griechiſchen, Lateiniſchen und Deutſchen vor ſich ging ³). Was insbeſondere unſere Mutterſprache angeht, ſo war
¹) S. Rinne a. a. O. ¹) Die Geſchichte des ſanskritiſchen Sprachſtammes liefert einen ſchlagen⸗ den Beweis von dem allmählichen Abſchleifen und völligen Verſchwinden der grammatiſchen Formen. So hatte das Indogermaniſche urſprünglich ſieben Kaſus und einen Vokativ, drei Numeri, eine vollſtändige Adjektiv⸗ deklination, eine vollſtändige Konjugation, beſtehend aus dem Aktivum und Mediopaſſicvum. Das Gothiſche, als der älteſte Repräſentant der germa⸗ niſchen Familie, hatte für alle dieſe grammatiſchen Verhältniſſe volle und ſtarke Formen oft von 3 bis 4 Silben. Von dieſem Reichthume iſt im Neuhochdeutſchen nur ein ſchwacher Reſt übrig geblieben
³)„Der Accent, die unendliche Abwechslung der Töne ſpricht das Tiefſte des Gemüthes aus; das Sylbengewicht wird dabei nicht überhört, aber zur Nebenſache. Der durch das Sylbengewicht gewonnene Rhythmus kann der


