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können; ſo haben wir doch alle Urſache, denſelben als einen ſehr einfachen und wenig ausgebildeten zu betrachten. Ein Volk, das noch nicht im Denken geübt, fügt die Gedanken im Vertrauen darauf, durch die ſinnliche Geberde das Verſtändniß zu fördern, entweder elliptiſch ohne alle grammatiſche Verknüpfung oder höch⸗ ſtens vermittelſt Bindewörter von ganz allgemeiner blos kopula⸗ tiver Bedeutung aneinander.
Trifft nun eine Sprache, wie die deutſche, in der Weichheit ihres Kindesalters mit einer andern bereits gebildeten zuſammen; ſo nimmt ſie ohne Widerſtreben und mitt Leichtigkeit von derſelben an, und was ſie ſich auf dieſem Wege zueignet und in Fleiſch und Blut verwandelt, gehört ihr unbeſtritten, wie ein Theil ihrer ſelbſt. Wie nun der älteſte deutſche Dialekt, von dem wir ſchrift⸗ liche Ueberreſte beſitzen, das Gothiſche, ſich an das Griechiſche anſchloß und daſſelbe in Konſtruktionen und Wortbildungen nach⸗ ahmte; ſo nahm das Althochdeutſche die reichgebildete lateiniſche Sprache zum Muſter und ahmte dieſelbe ſklaviſch nach. Die lateiniſche Wortfolge, die Participien, die Auslaſſung der Artikel und Hülfsverba wurden mit ängſtlicher Befliſſenheit nachgebildet. So weiſt die älteſte Geſtalt unſerer Sprache alle Vortheile der antiken Konſtruktionen an ſich auf; die Wortfolge iſt ebenſo elaſtiſch und beweglich als die griechiſche und römiſche; das Pronomen kann dem Hauptworte nachgeſtellt, das Adjectivum vom Subſtantivum durch Einſchiebſel getrennt werden; das Zeitwort ſtellt ſich mit volltönendem und abrundendem Laut meiſtentheils an das Ende des Satzes, und die nachſchleppenden Hülfszeitwörter ſind unbe⸗ kannt. Andererſeits freilich wurde die ſelbſtändige Entwicklung der deutſchen Sprache durch die übermächtig einwirkende lateiniſche Sprache und deren faſt ſklaviſche Nachahmung vielfach gehindert und beeinträchtigt. Daher datirt, um nur Eines hervorzuheben, die Menge der umſchreibenden Tempora, die wir jetzt, und zwar zum Theil unnöthiger Weiſe, im Deutſchen beſitzen, unter denen


