lichkeit, d. h., das Exiſtierende, Alles, was ſich vorfindet, Liebmüthigkeit, Neigung zu Liebeswerken, Empfänglich⸗ keit, Ungeſchaffenheit, Unverſüchlichkeit, der Zuſtand, der noch keine Läuterung und Prüfung erfahren hat, Gutdünken⸗ heit, Unwandelbarkeit, Weſentlichkeit, Danknehmig⸗ keit, Innerheit, Ingoſſenheit, Abgeſchiedenheit, Ver⸗ borgenheit, Willenloſigkeit und viele andere, entſprangen der Diktion Taulers, wie von ſelbſt, als neue Sprachſymbole. Der Ton, den Tauler angeſchlagen, fand bald den vielfältigſten Anklang, und in den Schriften der in ſeine Fußſtapfen tretenden Myſtiker, eines Eckhard, Suſo, Ruysbroek, Otto v. Paſſau u. a., förderte ſich immer mehr, wenn auch nicht mit gleich reinem Gepräge, eine Sprache zu Tage, die ganz metaphyſiſch gedacht und gebaut war. Die deutſche Sprache war damals im Zuge, ſich eine philoſophiſche Ausdrucksfähigkeit zu ſchaffen, die ihr theils in einer ſpäteren Zeit wieder verloren ging, theils häufig an ihr bezweifelt wurde. Was Leibnitz in ſeinen„unvorgreiflichen Ge⸗ danken“ wünſchte, daß die logiſchen Kunſtwörter völlig deutſch ge⸗ geben werden möchten, eine noch heut zu Tage unerreichte An⸗ forderung, das ſchien ſich ſchon im XIV. Jahrhundert in ganz einfacher Weiſe aus unſerer Sprache zu ergeben und als erreichbar zu zeigen.
Einen weiteren bedeutenden Einfluß übte das Chriſtenthum ſodann auf die Sprache im XVI. Jahrhundert und zwar ganz beſonders durch die Bibelüberſetzung Luthers. Zwar war die Bibel bereits vor Luther mehre Male ins Deutſche übertragen worden; allein die Lutherſche Bibelüberſetzung ließ alle früheren durch Kraft und Körnigkeit, durch Reinheit und Schönheit der Sprache, durch treffende und glückliche Wahl des Ausdrucks weit hinter ſich zurück. Eine Menge neuer bezeichnender Ausdrücke drang mit Luthers Bibelüberſetzung in die deutſche Sprache ein und wurde nach und nach Gemeingut der deutſchen Nation. Hierher gehören Ausdrücke,


