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kein allgemein angenommenes Vorbild den wahren Sinn derſelben oder verhinderte ſie, ſich noch mehr von ihrer urſprünglichen Be⸗ deutung zu entfernen. Das Wörterbuch wurde daher ganz und gar erneuert in ſeinem Inhalte, wie in ſeiner Form; aber die verſchiedenen Wortarten wurden nicht nach gleichen Geſetzen abge⸗ ändert; eine jede veränderte ſich nach ihrer Natur und nach dem Geiſte der neueren Sprache“.
Die dritte Stammſprache, welche, vom Geiſte des Chriſten⸗ thums erfaßt, vor allen andern Sprachen die größte Umwandlung erfuhr, iſt unſere Mutterſprache. Einmal wurden die mit großer Innigkeit und Gemüthstiefe ausgeſtatteten Germanen von dem Chriſtenthume auf das mächtigſte ergriffen, ſo daß der chriſtlich⸗ germaniſche Geiſt als das vorzüglichſte Lebenselement in den durch das Chriſtenthum hervorgerufenen Neugeſtaltungen auf allen Ge⸗ bieten des Lebens zu betrachten iſt. Dann aber waren die Ger⸗ manen, als ſie mit dem Chriſtenthume bekannt wurden, wenn auch kein wildes, doch keineswegs, wie die Griechen und Römer, ein ſchon hochgebildetes Volk und konnten daher keine von den Vor⸗ fahren ererbte höhere Kultur in Kunſt und Wiſſenſchaft und den Einrichtungen des Lebens dem Chriſtenthum entgegenſtellen. Sehen wir, wie die Umgeſtaltung der deutſchen Sprache durch das Chriſten⸗ thum, oder die Chriſtianiſierung derſelben vor ſich ging.
Nachdem das Chriſtenthum trotz dreihundertjähriger Verfol⸗ gungen durch die ihm innewohnende Macht der Wahrheit ſchließlich den Sieg über das Heidenthum davon getragen, verbreitete es ſich mit reißender Schnelligkeit über alle Provinzen des großen römiſchen Reiches. Ueberall wurden, freilich unter mitunter heftigen Krämpfen und Kämpfen), der alte Götterdienſt abgeſchafft, die Tempel und Altäre zerſtört und chriſtliche Kirchen über ihren Trümmern errichtet. Zu Anfang des V. Jahrhunderts konnte der heilige
¹1) S. Laſaulx„der Untergang des Hellenismus und die Verwendung der Tempelſchätze.“


