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leichter zu empfinden, als im Einzelnen anzugeben. Die alten Formen ſind zwar meiſtentheils geblieben, aber es ſpricht ein neuer Geiſt aus ihnen; die Wörter haben einen neuen, tieferen Sinn und Gehalt bekommen, ähnlich wie uns die in den Kata⸗ komben Roms befindlichen Abbildungen im Aeußern der Kleidung und Haltung noch vielfach die alten Römer zeigen, während der Ausdruck des Geſichtes von einem neuen höheren Leben, das dieſe Geſtalten durchdringt, Zeugniß gibt. Ueberdies ſind viele neue Wörter, Redensarten und Konſtruktionen aus dem Hebräiſchen, Griechiſchen und dem afrikaniſchen von dem dort herrſchenden Puniſchen influencierten Latein aufgenommen und allmählich ein⸗ gebürgert. In Folge alles dieſes iſt die neue chriſtianiſierte latei⸗ niſche Sprache von der alten klaſſiſchen derart verſchieden, daß Jemand, welcher mit dem klaſſiſchen Latein bekannt iſt und zuerſt die Vulgata lieſt, eine neue Sprache vor ſich zu haben glaubt, die er ohne vielfache Erklärung nicht verſtehen kann*). In der Poeſie herrſcht der Accent ſtatt der früheren Quantität; die Verſe ſind zudem häufig gereimt.
In weit höherem Grade erfuhren den Einfluß des Chriſten⸗ thums die romaniſchen Sprachen, welche ſich nach dem Untergange des römiſchen Reiches hauptſächlich aus den lateiniſchen Volks⸗ dialekten, der ſogenannten lingua rustica, entwickelten. Hören wir, wie ein geiſtvoller franzöſiſcher Schriftſteller hinſichtlich der franzö⸗ ſiſchen Sprache, die hier als Repräſentantin der übrigen romaniſchen Sprachen gelten mag, ſich ausſpricht ²).
„In den erſten Jahrhunderten nach der Gründung des Chriſten⸗ thums vollzog ſich eine großartige Umwälzung in den Ideen und Be⸗ ſtrebungen der Menſchheit. Der Gewohnheit, Alles von der ſinn⸗ lichen und praktiſchen Seite zu nehmen und ſich dem Laufe der
¹) S. Sprachliche Erörterungen zur Vulgata von A. Hagen.
¹) Essai philosophique sur la formation de la langue française par M. Edélestand du Méril. Paris 1852.


