Aufsatz 
Das Christenthum und die Sprache / Hermann Wedewer
Entstehung
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durch ihre Bildſamkeit und Biegſamkeit zur Bezeichnung der tief⸗ ſten Ideen, wie der gewöhnlichſten Gegenſtände mit derſelben Leich⸗ tigkeit hergibt und gleich ſehr eignet, gewürdigt wurde, das Ge⸗ fäß zu ſein, in welchem die neue Heilslehre zuerſt das Licht der Welt erblickte. Hierzu kam noch, daß das Chriſtenthum dadurch, daß es das Hebräiſche bei Seite ließ und ſich dem Griechiſchen zuwandte, auch äußerlich das beſchränkt Nationelle abſtreifte und damit ſeinen Beruf zur Weltreligion erklärte.*) Ueber die Art und Weiſe, wie ſich die Sprache des neuen Teſtamentes ausbil⸗ dete, bemerkt einer der tüchtigſten Kenner der neuteſtamentlichen Sprache: ²)Die religiöſen Ausdrücke mußten die Apoſtel und Evangeliſten aus dem alten Teſtamente beizubehalten dadurch be⸗ wogen werden, daß dieſelben mit den religiöſen Begriffen ſelbſt gleichſam ſchon ganz verwachſen waren, und weil das Chriſten⸗ thum ſich zunächſt an das Judenthum anknüpfen ſollte; auch bot das Griechiſche, wie es vorlag, in der That keine Bezeichnungen der tiefen religiöſen Erſcheinungen, welche das apoſtoliſche Chri⸗

¹)Es iſt gewiß für den Geiſt der ſemitiſchen und indogermaniſchen Sprach⸗ und Völkerfamilien von Bedeutung, daß die Offenbarung des alten Bundes ſich an ein ſemitiſches Volk gewendet und angelehnt hat. Wir ſchließen daraus mit Fug, daß für den Ausdruck der religiöſen Ideen auf der Vorſtufe des Chriſtenthums eine ſemitiſche Sprache die geeignetere war. Sem war der Erwählte des alten Bundes. Als aber die Offenbarung in ihr Vollendungsſtadium eingehen ſollte, hatte der Schauplatz derſelben die Signatur des ſemitiſchen Geiſtes größtentheils abgelegt, und gleich die erſten Urkunden der vollendeten Weltreligion wurden in der gebildetſten indoger⸗ maniſchen Sprache, der griechiſchen, niedergelegt. Der Principat ging an Japhets Nachkommen, die abendländiſchen Indogermanen über,Japhet wird in Sems Hütte wohnen. Nicht mehr ſemitiſche Einſeitigkeit und Beſchränktheit, ſondern indogermaniſches, alle menſchlichen ezüge umfaſſen⸗ des Kulturleben ſollte die natürliche Grundlage ſein, auf welcher das Chriſten⸗ thum ſich erbaute. S. J. H. Oswalddas grammatiſche Geſchlecht und ſeine ſprachliche Bedeutung. S. 34. ²) WinerGrammatik der neuteſtamentlichen Sprache. S. 40.