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gewonnenen geſchichtlichen Reſultaten auf die früheren Epochen mit ziemlicher Sicherheit zurückzuſchließen. Es genügt, um uns eines Bildes zu bedienen, den unteren Lauf eines Stromes zu kennen, um zu erſchließen, nicht nur, daß er einen oberen Lauf und eine Quelle habe, ſondern auch, wie etwa dieſe beſchaffen ſein müſſen.*)
Welches ſind nun die wichtigſten Ergebniſſe der neueren Sprachwiſſenſchaft hinſichtlich der ſprachlichen Entwicklung?
In dem Leben der Sprache laſſen ſich zwei völlig geſonderte Perioden, von denen die eine die Entwicklung der ſprachlichen Lautform oder die vorhiſtoriſche, die andere aber die Geſchichte des Verfalles der ſprachlichen Form oder die hiſtoriſche Zeit um⸗ faßt, unterſcheiden. Während in der erſten oder vorhiſtoriſchen Zeit die ganze geiſtige Thätigkeit des Menſchen in der Gewin⸗ enung der Sprache, als des nothwendigen und erſten Mittels aller übrigen geiſtigen Lebensäußerungen aufgeht, und während die Sprache als ſolche in dieſer Zeit die Urphiloſophie und Urpoeſie der Menſchheit enthält und eine weſentliche Quelle der Erkenntniß iſt; ſinkt dieſelbe in der zweiten oder hiſtoriſchen Periode zum bloßen Mittel der geiſtigen Thätigkeit herab, die nun unabhängig von der Sprache, als dem Gebiete der Anſchauung und Vorſtellung angehörig, ſich in Werken der Dichtung und Wiſſenſchaft in die Sphäre des freien Gedankens erhebt. Das Wort, welches vorher ein Ab- oder Sinnbild der Vorſtellung geweſen, wird jetzt zum Zeichen für den durch die freie Kraft des Gedankens gewonne⸗ nen Begriff herabgeſetzt. Hiermit hält die Desorganiſierung der Sprache, der Wandel der urſprünglichen Laute, die Abſchleifung der Formen und der Wechſel der Bedeutung gleichen Schritt. In dem Maße nämlich, als die in dem Laute ſymboliſch verkörperte ſinnliche Vorſtellung vergeiſtigt wird und der Lautform ent⸗.
¹) S. Schleicher„Die deutſche Sprache“ S. 47.


