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von Familien⸗, Nomaden⸗ und Volksſprachen. Die einſylbige Urſprache iſt eine Familienſprache; Freunde, Mann und Weib, Mutter und Tochter brauchen über häusliche Angelegenheiten nicht viele Worte; eins weiß gewöhnlich ſchon, was das andere ſagen will, die Rede deutet den Gedanken mehr an, als ſie ihn ausführt; beſondere Be⸗ tonungen, Familienaccente genügen, um dem Hörer eine ganze Ge⸗ dankenreihe anzuregen, eine begleitende Miene oder Geberde erſetzt nähere lautliche Bezeichnungen. Man könnte die Urſprache eine Abbre⸗ viatur des Denkens und Sprechens nennen; Adam ſieht die Thiere und ſpricht ihre charakteriſtiſchen Merkmale in ihren Namen aus. Eine andere Eigenthümlichkeit der Urſprache muß der enge Zu⸗ ſammenhang zwiſchen Laut und Vorſtellung geweſen ſein. Es läßt ſich nämlich aus manchen Thatſachen ſchließen, daß in der uranfäng⸗ lichen Rede die ſämmtlichen Laute eine ſymboliſche Kraft beſeſſen haben, mittelſt welcher ſie in einem ebenſo engen Zuſammenhange mit dem Inhalte des Denkens ſtanden, als der Leib mit der Seele. Obwohl nämlich in den jetzigen Sprachen dieſer natürliche Zuſam⸗ menhang von Laut und Vorſtellung größtentheils zerſtört iſt, indem ſowohl die Lautform unabhängig von der Vorſtellung mannigfache Wandelungen erfahren, als auch die Vorſtellung allmählich in den Begriff übergegangen iſt; ſo läßt ſich doch ſelbſt in den gegenwärtigen Sprachen der enge organiſche Zuſammenhang zwiſchen Laut und Vor⸗ ſtellung und die ſymboliſche Bedeutſamkeit der einzelnen Laute unſchwer nachweiſen. Wir haben bereits oben auf den Unterſchied, welcher in dieſer Beziehung zwiſchen den Vokalen und Konſonanten beſteht, hingewieſen. Während nämlich die erſten ihrer natürlichen Bedeutung nach der Empfindung angehören und in der Vernunftſprache ihre ſelbſtändige Bedeutung größtentheils verlieren, ſind die Konſonanten in Folge der größeren Selbſtthätigkeit der Organe bei ihrer Hervor⸗ bringung die weſentlichen Träger der Vorſtellung. Verfolgen wir nun die Geſchichte der Sprache aufwärts, ſo finden wir dieſen Zuſam⸗ menhang zwiſchen Laut und Vorſtellung mehr und mehr zunehmen,
¹) Der Urmenſch beſitzt nicht nur die ſchärfſten Sinne, ſondern auch eine Art intuitiven Erkennens und gerade hierin finden wir, ſo zu ſagen, das Vor⸗ lagekapital, welches Gott ihm, ſeinem Erſtling, vor allen ſpäteren gegeben.


