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bedient, um darauf die Klaſſifikation ſämmtlicher Sprachen der Erde zu gründen. ¹) Trotz dieſer gegenwärtigen Verſchiedenheit aber hat die geſchichtliche Sprachforſchung auf das einleuchtendſte nachgewieſen, daß die Sprachen nicht immer in dem jetzigen Zuſtande geweſen, ſondern daß ſie aus dem unvollkommeneren Zuſtande der Einſylbig⸗ keit ſich mehr oder minder zur Mehrſylbigkeit entwickelt haben. Ins⸗ beſondere hat Fr. Bopp mit großem Scharfſinn dargethan, daß die indogermaniſchen Sprachen, die ſich gegenwärtig am weiteſten von der urſprünglichen Geſtalt entfernt haben, indem die Verſchmelzung des Beziehungs⸗ und Bedeutungslautes bei ihnen bis zur höchſten Un⸗ kenntlichkeit vollzogen iſt, dennoch urſprünglich reine Wurzelſprachen geweſen ſind, die der chineſiſchen Sprache ſehr ähnlich waren. Außer den bereits oben angeführten Beiſpielen mögen hier noch einige andere zur Erläuterung des Geſagten dienen. Das griechiſche Medium des Zeitwortes Qεοα lautet qεαρααα aus Tεο⁸+0μ⁴Qeα‿‿+2α, Grundform bhard-ma-mi= ich trage mich; der griech. Aor. I. iſt entſtanden durch Anhängung der Präteritums von as, ſein(äsam dsas Asat)
¹) Faſt alle bedeutenderen Sprachforſcher von W. v. Humboldt an haben Klaſ⸗ ſifikationen der verſchieden Sprachen aufgeſtellt, welche mehr oder minder von einander abweichen. Das Bedeutenſte hierin iſt jedenfalls von Steinthal in ſeinem Werke„Charakteriſtik der hauptſächlichſten Typen des Sprachbaues“ Berlin 1861 geleiſtet worden. Für unſern Zweck genügt die bereits von W. v. Humboldt aufgeſtellte Dreitheilung in 1) iſolierende, welche die einzelnen Wörter bloß neben einander ſtellen, wie das Chineſiſche, ohne allen phonetiſchen Ausdruck für die grammatiſchen Verhältniſſe als ſolche, z. B. Steinchen= schi yi d. i. Stein Kind. 2) agglutinierende oder anfügende Sprachen, welche, wie das Türkiſche, die Beziehungen der Wörter durch ihnen untergeordnete andere ausdrücken, die ihnen dann angefügt werden, ohne daß ſie ihre ſtoff⸗ liche Bedentung in eine formale übergehen laſſen, vgl. im Türkiſchen von der Wurzel sev lieben, Part. sev-er, liebend; Praes. Sing. 1. sever-i-m, lie⸗ bend bin ich, von i⸗m(1 P. S. des Hülfsworts i-mek ſein) beſtehend aus der Wurzel i und dem Pronominalſuffix m. 3) flektierende oder anbildende, welche nicht Stoffelemente zuſammenſtellen, ſondern den Stoffelementen Form⸗ elemente zur näheren Beſtimmung einverleiben und ſo anbilden, daß die Form, wie durch innere Triebkraft aus dem Worte ſelbſt hervorgewachſen ſcheint. Durch die Zurückführung aller Sprachen auf urſprüngliche Einſylbigkeit iſt übrigens eins der vermeintlichen Hauptargumente gegen die urſprüngliche Einheit und den gemeinſamen Urſprung aller Sprachen hinweggeräumt. S. Kaulen a. a. O. S. 49 ff.


