Aufsatz 
Über Ursprung und Wesen der Sprache
Entstehung
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urſprüngliche mit dem Laut organiſch verbundene Vorſtellung hinaus⸗ geht, ſchwindet ihm das Gefühl für den Zuſammenhang beider; Laut und Bedeutung gehen nun ihre eigenen Wege, folgen beſondern Geſetzen.

Faſſen wir am Schluſſe die Hauptzüge der geſammten ſprach⸗ lichen Entwicklung zu einem Bilde zuſammen, ſo iſt es mit den Worten J. Grimms!) dieſes:Anfangs entfalteten ſich, ſcheint es, die Wörter in idylliſchem Behagen ohne einen andern Haft, als ihre natürliche, vom Gefühle angegebene Aufeinanderfolge; ihr Eindruck war rein und ungeſucht, doch zu voll und überladen, ſo daß Licht und Schatten ſich nicht recht vertheilen konnten. Allmählich aber läßt ein unbewußt waltender Sprachgeiſt auf die Nebenbegriffe ſchwächeres Gewicht fallen und ſie verdünnt und gekürzt der Haupt⸗ vorſtellung als mitbeſtimmende Theile ſich anfügen. Die Flexion ent⸗ ſpringt aus dem Einwuchs lenkender und bewegender Beſtimm⸗ wörter, die nun wie halb und faſt ganz verdeckte Triebräder von dem Hauptworte, das ſie anregten, mitgeſchleppt werden und aus ihrer urſprünglich auch ſinnlichen Bedeutung in eine abgezogene über⸗ gegangen ſind, durch die jene nur zuweilen noch ſchimmert. Zuletzt hat ſich auch die Flexion abgenutzt und zum bloßen ungefühlten Zeichen verengt, dann beginut der eingefügte Hebel wieder gelöſt und feſter beſtimmt nochmals äußerlich geſetzt zu werden; die Sprache büßt einen Theil ihrer Elaſticität ein, gewinnt aber für den unendlich geſteigerten Gedankenreichthum überall Maß und Regel.

Was nun die Urſprache insbeſondere angeht, um über dieſelbe hier noch ein Wort zu ſagen, ſo war dieſelbe nach der Anſicht der bedeutendſten Sprachforſcher zunächſt einſylbig, d. h. ſie beſtand aus lauter einſylbigen Wurzelwörtern, die in der Rede ohne Ausdruck ihrer Beziehung loſe aneinander gereiht wurden. Ein flüchtiger Blick auf die gegenwärtigen Sprachen der Erde zeigt uns ſolche, welche ſich noch jetzt in dieſem Zuſtande der Einſylbigkeit befinden, während andere, die einen Schritt weiter gethan, ſich auf dem Wege befinden, mehrſylbig zu werden, und wieder andere wirklich mehrſylbig ſind. Bekanntlich hat ſich die neuere Sprachwiſſenſchaft dieſes Unterſchiedes

¹) S. Urſprung der Sprache S. 38.