Aufsatz 
Über Ursprung und Wesen der Sprache
Entstehung
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Sprachſchöpfung führt W. v. Humboldt ¹) noch die analogiſche an, ohne jedoch recht klar zu machen, was er darunter verſteht. Soviel wir ſehen, meint er damit die Bezeichnung durch Lautähnlichkeit nach der Verwandtſchaft der zu bezeichnenden Begriffe. Wie innerhalb der ausgebildeten Sprache das eine Wort für das andere geſetzt, der eigentliche Ausdruck durch den uneigentlichen erſetzt wird, benennt auch der ſprachſchaffende Menſch die Dinge, die ihm als ähnlich erſcheinen, mit ähnlichen Lauten. Hierauf beruht unter andern die ſogenannte Wurzelvariation oder die lautliche Abänderung der Wurzel nach der Analogie der Begriffe, z. B. hebr. zähal, zähar, sähar, haälal, zälal, zächä, zachar, zühã, zühab; sähd, sähab; tähar, fächar, welche alle in verſchiedenen Abſtufungen und Färbungen das Helle ausdrücken, das Glänzen, das Reine, das Gelbe(Gold), das moraliſch Reine, den hellen Klang, gr.1⁴α, νισ τοαει 2ος ο, 717⁰, lat. scalpo, sculpo, deutſch brechen, ſprechen, ſprießen, ſproſſen, ſpritzen, ſprühen u. ſ. w. Insbeſondere die Semiten ſcheinen den Artikulationsſinn, wie ihn Humboldt nennt, d. h. die eigenthümliche Anſicht des Volkes von dem Werthe der Laute und das lebendige Gefühl für dieſen Werth, verbunden mit dem Drange, alles Innere in den Laut zu legen, alſo den Sinn für den Zuſammenhang von Laut und Vorſtellung in hohem Grade zu beſitzen. ²)

Mit der ſymboliſch⸗metaphoriſchen und der analogiſchen Stufe iſt die urſprüngliche Sprachſchöpfung, d. h. das Hervorbringen der Sprachwurzeln, aus denen die Stoff⸗ oder Begriffswörter, das eigent⸗ liche Material der Sprache, hervorgehen, abgeſchloſſen. Sind aber hiermit alle Dinge benannt, und iſt damit der Wörtervorrath der Sprache vollſtändig? Mit nichten! Abgeſehen davon, daß wir einer beſonderen Klaſſe von Wurzeln, nämlich jener, aus welcher die ſo⸗ genannten Formwörter hervorgehen, bisher noch nicht erwähnt haben, iſt zu bemerken, daß die Zahl der auf die geſchilderte Weiſe ent⸗ ſtandenen ſtofflichen Sprachwurzeln eine verhältnißmäßig ſehr geringe iſt, wenn wir ſie mit der Maſſe der Wörter, welche die bedeuten⸗

¹) S. Ueber die Verſchiedenheit des menſchlichen Sprachbaues u. ſ. w. Sepa⸗ ratabdruck S. 80.

) S. Steinthal, Grammatik, Logik und Pſychologie S. 381 und Sprachtypen S. 246, ferner Heyſe a. a. O. S. 350.