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Wege ſchlägt der Menſch überhaupt ein, um insbeſondere die große Menge der übrigen Dinge, Thätigkeiten und Eigenſchaften, welche nicht durch einen Schall auf das Gehör wirken, durch Laute zu verkörpern.
Sämmtliche Sinne des Menſchen ſind als Zweige eines Baumes oder eines gemeinſamen Stammes anzuſehen, ſo daß jeder einzelne Sinn ſeiner Natur nach kein verſchiedenes, ſondern nur ein beſtimm⸗- tes Entwicklungsmoment eines allen Sinnen zu Grunde liegenden ge⸗ meinſchaftlichen Weſens iſt. Hierauf beruht unter andern die merk⸗ würdige Erſcheinung der ſtellvertretenden Thätigkeit der Sinne, gemäß welcher im Falle des Mangels oder der Lähmung eines Sinnes ein anderer die Verrichtungen deſſelben übernimmt und für ihn wirkend eintritt. So iſt es nicht ſelten, daß bei Blinden das Gefühl die Stelle des Geſichtes einnimmt, daß ſie z. B. in der Nähe großer Gebäude und Mauern von einem ängſtlichen, drückenden Gefühle ergriffen wer⸗ den, welches ſie anzuſtoßen warnt, daß ſie bloß durch die Feinheit ihres Gefühles ſogar mit grober Schrift gedruckte Bücher zu leſen im Stande ſind. Bilden ſomit alle Sinne des⸗Menſchen eine organiſche Einheit und wirken vereint neben⸗ und miteinander zur Abſpiegelung der Natur und Außenwelt; ſo wird es dadurch auch erklärlich, daß Eindrücke des einen Sinnes eine ähnliche Wirkung auf den Menſchen hervorbringen, wie die des andern, z. B. die Eindrücke, welche das Geſicht empfängt, ähnlich auf den Menſchen wirken, wie die des Gehörs. ¹) Hiermit aber iſt das Mittel geboten, auch die Vorſtel⸗ lungen ſolcher Gegenſtände, Eigenſchaften und Thätigkeiten, welche nicht durch den Schall auf unſer Gehör, ſondern in irgend einer Weiſe auf einen der andern Sinne, wie das Geſicht, das Gefühl, den Geſchmack oder Geruch wirken, durch Laute zu verkörpern, indem ſtatt der ſinnlichen Naturnachahmung eine metaphoriſch⸗ſymboliſche ein⸗ tritt. Hiernach bedient ſich der ſprachſchöpfende Menſch gleichſam inſtinkt⸗ artig für die zu bezeichnenden Gegenſtände ſolcher Laute, welche theils an ſich, theils in Verbindung mit andern für das Ohr einen dem des Gegenſtandes auf die Seele ähnlichen Eindruck hervorbringen. Hier
¹) Die Sprache ſelbſt gibt hiervon Zeugniß, inſofern eine Menge Wörter gleich⸗ zeitig von ähnlichen Eindrücken verſchiedener Sinne gebraucht werden, vgl. hell, grell, ſüß, ſcharf, hart, weich u. ſ. w.


