27
Quelle der Wortſchöpfung gehalten.¹) Allein eine gründlichere Er⸗ forſchung der Sprache hat auch dieſe, wie die vorerwähnte Interjektions⸗ theorie, wenn auch nicht vollſtändig beſeitigt, doch auf ihr wahres Maß zurückgeführt. Betrachten wir nämlich die heutigen Sprachen etwas genauer, ſo ſtoßen wir allerdings auf eine Anzahl Wörter, welche dieſem Princip ihre Entſtehung verdanken. Hieher gehören mehrere Wörter, welche, ſei es den Schall oder Ton eines Dinges, wie Krach, Knall, oder das Schallen oder Tönen ſelbſt, wie im Deut⸗ ſchen brüllen, brauſen, brummen, blöken, dröhnen, drommeten, ſideln, flüſtern, girren, grunzen, glucken, gurgeln, krachen, klirren, knirſchen, knurren, knattern, knittern, klappern, kichern, klimpern u. v. a., end⸗ lich auch den Gegenſtand ſelbſt, von welchem der Schall kommt, wie Uhn, Kiebitz, Kukuk u. a. bezeichnen. Allein wir würden ſehr irren, wenn wir dieſem Princip einen bedeutenden Einfluß in der Wort⸗ ſchöpfung, ſei es extenſiv oder intenſiv, einräumen wollten. Der durch die Onomatopöie oder Schallnachahmung gebildeten Wörter ſind weder ſehr viele, noch ſind ſie der größeren Zahl nach alte fruchtbare Wur⸗ zeln, von welchen wieder andere Wörter abgeleitet ſind. Der keinen Schall von ſich gebenden Dinge nicht zu gedenken, deren Benennungen natürlich nicht auf dieſe Art entſtanden ſein können, laſſen ſich ſelbſt die ſchallende oder tönende Gegenſtände bezeichnenden Wörter nur zum kleinſten Theile auf dieſe Naturlaute zurückführen, ja eine gründ⸗ lichere und tiefer gehende Etymologie hat ſelbſt von den Wörtern, die man bisher als durch Onomatopöie entſtanden annahm, mehrere fallen laſſen.*) Iſt ſomit das onomatopoötiſche Princip nicht ausreichend, um die Entſtehung des beiweitem wichtigſten und größten Theiles der alten fruchtbaren Sprachwurzeln zu erklären; ſo entſteht die weitere Frage, wie haben wir uns den Urſprung derſelben zu denken, welche
¹) Es iſt unter andern Herder, der in ſeiner berühmten Abhandlung über den Urſprung der Sprache dieſer Anſicht huldigt.
²) Hierher gehören unter andern die Wörter„Donner und Rabe, sanscrit. Karava“, welche man bisher vielfach fälſchlich durch Onomatopböie zu erklären ſuchte. S. Heyſe a. a. O. 93 und M. Müller 369. Ueberhaupt ſind die meiſten Schallwörter neuere Bildungen. Insbeſondere iſt unſere Volksſprache und Volkspoeſie reich an ſolchen Schallwörtern, die hier oft von vortrefflicher Wirkung ſind. Vgl. unter andern die Balladen von Bürger.


