Aufsatz 
Über Ursprung und Wesen der Sprache
Entstehung
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Als auf der Grenze der Sprache ſtehend und ſtreng genommen noch nicht zur Sprache gehörig, lernten wir ſo eben die Empſindungs⸗ laute oder Interjektionen kennen. Da von ihnen, wie wir ſahen, kein Uebergang zu bedeutſamen Sprachwurzeln, d. h. zu Wurzeln, welche wirkliche Gegenſtände, Dinge, Thätigkeiten und Eigenſchaften der Dinge bezeichnen, ſtattfindet, ſo fragt es ſich, woher der Menſch dieſe Wurzeln nimmt, und welches der natürliche organiſche Zuſammenhang zwiſchen der jedesmaligen Anſchauung und dem ſie vertretenden Laute iſt.

Unter den Naturlauten findet ſich neben den Empfindungslauten eine andere ſchon höher ſtehende Art, die ſogenannten Schallnachah⸗ mungen, welche nachbildende Darſtellungen vernommener Schälle, Thierlaute u. ſ. w., gleichſam das Echo einer ſinnlichen Wahrnehmung ſind. Als Nachbildung eines äußerlich Vorhandenen haben dieſe Natur⸗ laute ſchon einen objektiven Inhalt, ein Subſtrat in der Wirklichkeit, alſo einen realen Zuſammenhang mit den Objekten. Der wahrgenom⸗ mene und reproducierte Schall aber gibt dem Geiſte ein Merkmal zur Fixierung des wahrgenommenen Objektes. Verſuchen wir den Vorgang an einem Beiſpiele noch deutlicher zu machen. Denken wir uns, Jemand ſieht zum erſten Male einen Stier; die verſchiedenen Empfin⸗ dungen, welche er durch den Geſichtsſinn von ihm erhält, Farbe, Geſtalt und Gang geben ihm eine Anſchauung von dem Thiere, nun hört er den Stier brüllen; was iſt natürlicher, als daß, indem der empfangene Geſammteindruck unwillkürlich durch eine Reflexbewegung der motoriſchen Nerven ſich zu äußern ſtrebt, der vernommene Ton als die vorzüglichſte und ſtärkſte Empſindung nachgebildet und das Thier das bu machende, gr. 5009, lat. bos genannt wird? Dieſe Art der Wortſchöpfung, die man die onomatopoëtiſche nennt, i*ſt noch jetzt ganz gewöhnlich bei Kindern. Das Kind findet es natür⸗ lich trotz der Wörter, die es von den Erwachſenen hört, die Kuh⸗ als dieMu, das Schaf als das, die Ente als dieQuak, Quak, die Katze als dieMiau, den Hund als denWauwau, den Eſel als denJah u. ſ. w. zu bezeichnen. Es könnte ſcheinen, als ob hiermit die Geſammtquelle des erſten Lautſtoffs, der ſogenann⸗ ten Sprachwurzeln gefunden ſei, und wirklich hat man im vorigen Jahrhundert die Onomatopbie für die eigentliche und einzige