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Aeußerungen des Gefühles kennen lernen. Allein der Menſch iſt nicht nur empfindendes und wahrnehmendes, er iſt gleichzeitig auch vor⸗ ſtellendes und urtheilendes Weſen. Da er aber auch als ſolches ſich äußern und wie auf dem Standpunkte des Gefühles ſeine Empfin⸗ dungen, auf dem der Anſchauung und Vorſtellung ebenfalls ſeine Anſchauungen und Vorſtellungen durch entſprechende Laute verkörpern muß; ſo entſteht jetzt die weitere Frage, wie vermag er die mannig⸗ faltigen Anſchauungen und Vorſtellungen durch Laute auszudrücken?
Es gab eine Zeit, da man die geſammte Sprache aus Empfin⸗ dungslauten(Interjektionen im engeren und eigentlichen Sinne) her⸗ zuleiten ſuchte. Der Vater dieſer Anſicht iſt der bereits oben von uns erwähnte Epikur, welcher lehrte, das Sprechen ſei eine natür⸗ liche Verrichtung, wie das Sehen und Hören, und der Menſch ſpreche, von der Natur getrieben, wie der Hund belle. Wie er, jenachdem er von Hoffnung, Schmerz, Freude ergriffen ſei, ver⸗ ſchiedene Laute von ſich gebe, ſo ſpreche er auch. Hiermit hat Epikur die phyſiologiſche Grundlage der Sprache allerdings richtig bezeichnet; allein er hat andererſeits, und das iſt die ſchwache Seite ſeiner An⸗ ſicht, den geiſtigen Urſprung ganz überſehen.*) In der neueren Zeit iſt, um von andern nicht zu reden, die Interjektionaltheorie wieder aufgenommen und mit vielem Scharfſinn ausgeführt und ver⸗ theidigt worden von meinem bisher nicht genug gewürdigten Landsmann Fr. Wüllner.*)„Die eigentliche Quelle des Sprachſtoffes,“ heißt es in dem erſten der unten genannten Werke,„iſt offenbar die Wahr⸗ nehmung der Naturlaute, indem der Menſch dieſe in ſeine geiſtige Anſchauung aufnahm und ſie, ſo gut es ohne beſondere Kunſt und Künſtelei anging, durch die Stimme nachzubilden oder doch zu
¹) S. Steinthal, Geſchichte der Sprachwiſſenſchaft bei den Griechen und Römern S. 318 und M. Müller a. a. O. 374.
²) Hieher gehören:„Ueber Urſprung und Urbedeutung der ſprachlichen Formen“ und„Ueber die Verwandtſchaft des Indogermaniſchen, Semitiſchen und Tibe⸗ taniſchen nebſt einer Einleitung über den Urſprung der Sprache“, Werke, die durch große Gelehrſamkeit und einen ungewöhnlichen Scharfſinn ſich aus⸗ zeichnen und für immer eine hohe Stelle in der Geſchichte der Sprachwiſſen⸗ ſchaft behaupten werden. S. auch Kaulen,„Die Sprachverwirrung zu Ba⸗ bel“ S. 44 ff.


