Aufsatz 
Über Ursprung und Wesen der Sprache
Entstehung
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nächſten Kommendes ganz beſonders eignen. Wie nämlich die Thätigkeit des Geiſtes, das Denken, unter die Anſchauungsform der Zeit fällt, ſo kommen auch die Sprachlaute nacheinander zur Erſcheinung und vermögen ſomit in ſtetiger Folge das Denken zu begleiten, und weil ſie durch einen, wenn auch noch ſo kleinen Zeitraum getrennt ſind, die geiſtigen Vorſtellungen geſondert und deutlich zur Anſchauung zu bringen. Hierzu kommt noch, daß der Laut, weil zu ſeiner Wirkung auf das Ohr nur der Luft bedürfend, zu jeder Zeit und an jedem Ort anwendbar iſt, ein Vortheil, den die Laute vor Zeichen, die für das Auge beſtimmt ſind und daher des Lichtes bedürfen, voraus haben. Den thätigen Lauten entſpricht vollkommen das empfangende Ohr), welches als der ideelſte unter allen Sinnen, der mit dem gei⸗ ſtigen Weſen des Menſchen im unmittelbarſten Zuſammenhange ſteht, als die ſtets offene Pforte des Geiſtes, die wahrgenommenen bedeut⸗ ſamen Laute mit dem Geiſte vermittelt.

Kehren wir nach dieſer Digreſſion über den Laut und ſeine Bedeutung für das Sprechen zur Entwicklung des Sprachlautes und ſeiner Verwendung für das Sprechen zurück. Wir ſagten, entſpre⸗ chend den allgemeinen Naturgeſetzen, daß Körper, durch mechaniſche Einwirkung erſchüttert, einen Schall von ſich geben, wodurch ſie ihre innere Natur, den Zuſammenhang ihrer Theile offenbaren, verpflanze auch der Menſch die empfangenen Eindrücke vermittelſt des Lautes in die Außenwelt. Was nun die Hervorbringung dieſer Laute be⸗ trifft, ſo geſchieht dieſelbe vermittelſt der ſogenannten Reflexbe⸗ wegung der Nerven, worüber hier Folgendes ſeine Stelle finden möge. ²)

Man unterſcheidet ſehr leicht in allen Verrichtungen des menſch⸗

²) Kein anderer Nerv kommt ſo unmittelbar mit den innerſten Tiefen des Ge⸗ hirns in Berührung als der des Gehörs. Bei vielen Nervenſtörungen haben Eindrücke auf den Geſichtsſinn bei weitem nicht die wohlthätige und beſänf⸗ tigende Wirkung, wie ſie die menſchliche Stimme oder die Muſik ansübt. S. Frankfurter Converſationsblatt von 1860 Nr. 117.

²) Bei der folgenden Darſtellung ſind wir vorzugsweiſe Lazarus,Leben der Seele Bd. II. gefolgt, wo der Proceß der Sprachſchöpfung höchſt lichtvoll nach allen Seiten entwickelt iſt. Vgl. überdies Steinthal,Grammatik, Lo⸗ gik und Pſychologie. S. 226 ff. u. Heyſe a. a. O.

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