Aufsatz 
Über Ursprung und Wesen der Sprache
Entstehung
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17 Aehnlichkeit hat, aber ſich nie bis zur Sprache und Vernunft, dem charakteriſtiſchen Attribute und unterſcheidenden Vorzuge des Menſchen zu entwickeln vermag.

An der Spitze der ſichtbaren Schöpfung ſteht, die Krone der⸗ ſelben bildend, der Menſch, die organiſche Einheit von Leib und Seele. Nach dem Ebenbilde Gottes geſchaffen, d. h. mit Gefühl, Intelligenz und freiem Willen, den drei Grundvermögen des menſchlichen Geiſtes, die mit den angebornen Ideen des Guten, Wahren und Schönen ſeine höhere Natur ausmachen, ausgeſtattet, hat er die Aufgabe und Beſtimmung, das Wahre, Gute und Schöne zu erkennen, zu lieben und im Leben darzuſtellen. Alle dieſe Vermögen aber liegen nur potentialiter in ihm und ſind eben ſo viele Keime, die der ſorgfäl⸗ tigſten Pflege und Entwicklung bedürfen, um wirklich das zu werden, wozu ſie vom Schöpfer beſtimmt ſind. Wie geht nun dieſe Entwick⸗ lung vor ſich? Welches iſt der naturgemäße Gang, welchen dieſelbe nimmt? Denken wir uns den Geiſt noch ſchlummernd und als Seele in den Banden des Körpers befangen, mit dem eingebornen Triebe zur Thätigkeit und dem Drange, ſich aus dieſer Gebundenheit zu befreien und zum freien, ſelbſtbewußten, für ſich ſeienden Geiſte zu entwickeln. Nun wird die Seele auf irgend eine Weiſe, ſei es durch innere Empfindungen, wie des Schmerzes und der Freude, oder durch äußere, insbeſondere vermittelſt der Sinne des Gehörs und Geſichtes hervorgebrachte Eindrücke erregt. Inſtinktmäßig und unwillkürlich ver⸗ pflanzt die ſo erregte Seele die empfangenen Eindrücke durch die Re⸗ ſpirationsorgane in die Außenwelt und befreit ſich von ihnen durch entſprechende, d. h. mit unmittelbarer organiſcher Nothwendigkeit er⸗ zeugte Laute. Doch hier müſſen wir, bevor wir weiter fortfahren, in die Natur und Bedeutung des Lautes etwas näher eingehen.

Der Sprachlaut fällt als eine beſondere Species unter den Gattungsbegriff des Schalles, welcher ſich ſeiner Natur nach überall als das ſeelenhafte Element zeigt, worin ſich die Innerlichkeit der Subſtanz kundgibt. Aus der beſonderen Art des Schalles läßt ſich die Natur des Stoffes und die Art und Weiſe der Kohäſion ſeiner

und dem Menſchen iſt die Sprache. Der Menſch ſpricht, aber kein Thier

hat je ein Wort hervorgebracht. Die Sprache iſt unſer Rubikon, und kein

Thier wird wagen, ihn zu überſchreiten. S. M. Müller a. a. O. 358. ff. 2