Aufsatz 
Über Ursprung und Wesen der Sprache
Entstehung
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Lage des Kindes iſt eine ganz andere. Es iſt von redenden Men⸗ ſchen umgeben; das Hören einer entwickelten Sprache, deren Inhalt weit über den Horizont ſeiner erworbenen Vorſtellungen hinausgeht, tritt ſelbſt als ein weſentliches Element in die Entwicklung ſeines Geiſtes hinein). Während der Urmenſch, auf ſich angewieſen, die Sprache nach ihren beiden Grundbeſtandtheilen, dem Laute und der Vorſtellung, ſelbſtändig ſchaffen und aus ſich erzeugen mußte, wird jetzt beides dem neugebornen Kinde entgegengebracht und dadurch ſeine Selbſtthätigkeit, die es allerdings beſitzt, weſentlich beſtimmt und geregelt. Da wir nun auch kein Beiſpiel haben, daß Menſchen, die von Ju⸗ gend auf von allem Verkehr mit andern bereits ſprechenden Menſchen ausgeſchloſſen wurden, aus ſich eine neue Sprache ſelbſtändig erzeugt haben,) andererſeits die Sprache einmal da iſt; ſo müſſen wir wohl annehmen, daß die erſten Menſchen, um die Sprache zum erſten Male zu erzeugen, um ſie neu zu ſchaffen, beſondere Fähigkeiten be⸗ ſeſſen haben, welche die nachfolgenden nicht mehr beſitzen. Trotz dieſes allerdings vorhandenen Unterſchiedes zwiſchen den Urmenſchen und ihren Nachkommen ſteht feſt, daß ihre Organiſation überhaupt und ihre körperlich geiſtigen Sprachanlagen insbeſondere weſent⸗ lich dieſelben ſind, ſo daß der pſychiſch organiſche Proceß, wodurch das Kind zur Sprache und deren Verſtändniß gelangt, obwohl die

rechnet, in keinem andern Zuſtande befindet, als dem der nackten Endlichkeit, der entblößten, auf ſich zurückgebrachten, ſich ſelbſt überlaſſenen Natur, in keinem andern Zuſtande mithin, als in welchem Adam ſelbſt vor dem Falle geweſen wäre, wenn er ſich nicht eines beſonderen göttlichen Princips erfreut hätte. Das Ebenbild Gottes im Menſchen iſt daher auch geblieben. S. Möh⸗ ler's Symbolik S. 60.

¹) S. Lazarus, Leben der Seele II. 18.

²) Die Geſchichte berichtet uns von mehreren Verſuchen, welche gemacht wurden, um durch Abſperren von Kindern von allem Verkehr mit Erwachſenen zu erfahren, welches die Urſprache geweſen. Der älteſte iſt unſers Wiſſens der von dem ägyptiſchen König Pſammetich(S. Herodot II. 2) erzählte. Dieſer ließ nämlich zwei neugeborne Kinder einem Hirten übergeben mit dem Be⸗ fehl, kein Wort vor ihren Ohren auszuſprechen und zu achten, welchen Laut ſie nun hervorbringen würden. Da ſie nun nach einiger Zeit, als der Hirt ſich ihnen näherte, mit ausgeſtreckten Händen das Worteds ausriefen und man auf angeſtellte Erkundigungen erfuhr, daß die Phrygier das Brod Zeꝛos nannten, glaubte man überzeugt zu ſein, daß die Phrygier das älteſte Volk