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dadurch wahrhaft zu ſich ſelbſt kommen. Die Sprachidee iſt Gottes Gedanke und liegt jeder Sprache zu Grunde, aber ihre Verwirk⸗ lichung in den beſondern Sprachen iſt des Menſchen eigene That. Unſer Denken erfaßt das Weſen der Dinge und ſpricht es aus im Wort, weil ſie ſelbſt im göttlichen Geiſte urſprünglich gedacht und im ewigen Wort gegründet und geſchaffen ſind. ¹)
Es ſteht alſo feſt, die Sprachfähigkeit iſt dem Menſchen ange— ſchaffen; die Sprache ſelbſt iſt ſein Werk. Gott hat den menſchlichen Leib mit beſonderen Organen zum Sprechen ausgerüſtet, hat in die menſchliche Seele den Trieb der Entwicklung und Bethätigung gelegt und beide aufeinander angewieſen. Dieſe Eigenſchaften ſind im We⸗ ſentlichen für alle Menſchen dieſelben, für den Urmenſchen wie für alle nachfolgenden. Hiernach könnte es ſcheinen, als fände kein Unter⸗ ſchied ſtatt zwiſchen der Entſtehung der Urſprache und der jetzigen, und als ob die erſten Menſchen die Sprache auf dieſelbe Weiſe ge— wonnen hätten, wie noch jetzt unſere Kinder ſie gewinnen. Allein dem iſt, wie eine nähere Betrachtung zeigt, nicht ſo. Zwar ſind die natürlichen Bedingungen des Leibes und der Seele, wenn auch nicht dieſelben, doch nur dem Grade nach verſchieden ²); aber die hiſtoriſche
¹) S.„Die Kunſt im Zuſammenhang der Kulturentwicklung und die Ideale der Menſchheit.“ Von Moriz Carriere. S. 21.
²) Obwohl die Urmenſchen im Weſentlichen gleich wie die jetzigen Menſchen or ganiſiert waren, ſind wir doch nach Allem einen großen graduellen Unterſchied in Bezug auf Leib und Seele anzunehmen berechtigt. In leiblicher Hinſicht erinnern wir an die Ueberlieferung von dem langen Leben der Menſchen, welches einen andern und kräftigeren Körperbau vorausſetzt. Nicht minder groß iſt der Unterſchied in geiſtiger Beziehung, da die erſten Menſchen die Schöpfer der Sprache und des Mythus ſind, welche unter andern eine außer ordentliche Kraft und Thätigkeit der Phantaſie vorausſetzen. Uebrigens lehrt auch die chriſtliche Kirche, daß der jetzige Menſch mit denſelben natürlichen Anlagen geboren wird, mit denen der erſte Menſch geſchaffen war.„An ſich und unmittelbar beſteht die Erbſünde in der Beraubung der urſprünglichen Gerechtigkeit und ihrer Bedingung, des höheren göttlichen Princips, ohne daß der mit dem genannten Uebel Behaftete irgend ein die Natur des Menſchen integrierendes Vermögen verloren oder irgend eine böſe Kraft überkommen hätte. Alle Söhne Adams werden vielmehr mit denſelben natürlichen Vermögen und Anlagen geboren, mit denen Adam ſelbſt geſchaffen wurde, ſo daß ſich der geſallene Menſch, die Erbſünde abge⸗


