Aufsatz 
Über Ursprung und Wesen der Sprache
Entstehung
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brüche leiblicher Empfindung, das allein könnte dem Schrei der thie⸗ riſchen Stimme mit Recht an die Seite geſetzt werden; das gehört aber auch zur Menſchenſprache nicht und läßt mit deren Werkzeugen ſich ebenſowenig, als der Thierlaut genau ausdrücken, nicht einmal vollſtändig nachahmen.¹)

Wenn die Sprache ſomit dem Menſchen weder von Gott im Umgange gelehrt, noch fertig anerſchaffen, noch auch endlich als eine inſtinktive, natürliche Thätigkeit angeboren iſt, iſt ſie dann, fragen wir weiter, vielleicht ein Werk des Menſchen, etwa eine durch Nach⸗ denken hervorgebrachte Erfindung? Auch hierauf müſſen wir mit nein antworten. Denn außerdem, daß die Sprache als nothwen⸗ diger und weſentlicher Beſtandtheil der menſchlichen Natur, ohne welchen der Menſch nicht Menſch wäre, nicht eine Erfindung, die nichts abſolut Nothwendiges iſt, ſein kann, liegt in dieſer Annahme eine verdeckte petitio principii. Da nämlich ein eigentliches Denken ohne Sprache nicht möglich iſt, ſo müßte das, was durch Nachdenken erfunden werden ſoll, ſchon da ſein, um das Nachdenken zu ermög⸗ lichen, wozu noch kommt, daß die Sprache in einem ſolchen Falle durch Uebereinkunft oder Vertrag eingeführt werden müßte, während doch eine Verſtändigung hierüber ohne das Verſtändigungsmittel, d. i. die Sprache, nicht ſtattfinden könnte.

Iſt alſo die Sprache ſchließlich auch nicht eine durch Reflexion gemachte Erfindung, ſo fragt es ſich, was iſt ſie denn? Hierauf ant worten wir mit den bedeutendſten neueren Sprachforſchern:Die Sprache iſt ein Naturerzeugniß des menſchlichen Geiſtes, d. h. der Menſch erzeugt die Sprache mit Nothwendigkeit nach den von dem Schöpfer in ihn gelegten Geſetzen. Das jedem Menſchen angeborene geiſtige Lebensprincip, die objektive Vernunft ſchafft ſich die Sprache aus innerem Bedürfniſſe auf dem Wege natürlicher Entwicklung ver⸗ möge des zu ihrer Subſtanz weſentlich gehörenden Triebes der Be⸗ thätigung. Nicht der phyſiſche Organismus des Menſchen, noch auch der ſubjektive Geiſt oder der reflektierende Verſtand iſt das ſchaffende und geſtaltende Princip der Sprache; ſondern die Erzeugung der Sprache geſchieht mit Nothwendigkeit, ohne beſondere Abſicht und klares Bewußtſein aus innerem Inſtinkte des Geiſtes, alſo in der

¹) S. J. Grimm a. a. O.