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Menſchen, zu wirken. Wollen wir daher irgend eine Erſcheinung wiſſen⸗ ſchaftlich behandeln, ſo müſſen wir dieſelbe vor allem aus den in den Ge⸗ genſtänden liegenden Kräften und Geſetzen, den causis seccundis, wie die Philoſophen ſie nennen, zu erklären ſuchen. Dieſes hindert jedoch nicht, über dieſen Kräften und Urſachen, eine erſte Urſache, eine causa prima oder einen Urgrund mit Nothwendigkeit zu verlangen. Wie gegen dieſe wiſſenſchaftliche Forderung nach beiden Seiten hin gefehlt worden iſt und gefehlt wird, indem die Einen Alles unmittelbar aus Gott herleiten, ohne die Geſetze der Natur zu berückſichtigen und der menſchlichen Kraft und Thätigkeit etwas zu überlaſſen, die Anderen aber nur die Kräfte der Natur und des Menſchen beachten, ohne auf die causa prima zurückzugehen, würde, wenn es nothwendig wäre, nicht ſchwer ſein, durch eine Menge Beiſpiele zu belegen. Wir dürfen daher ſchon aus dem angeführten Grunde den Urſprung der Sprache nicht ſofort auf ein unmittelbares Eingreifen Gottes zurück— führen, ehe wir noch unterſucht haben, ob ſich dieſelbe nicht aus den dem Menſchen verliehenen Kräften zuſammen mit ſeiner Beſtimmung erklären läßt. Es ſprechen aber überdies gegen die obige Annahme noch beſondere Gründe. Gegen ein Lehren der Sprache von Seiten Gottes durch Umgang und perſönlichen Verkehr, wie z. B. Bonald annimmt ¹), iſt zu bemerken, daß dies einmal ein Verſtändniß von Seiten der Menſchen, ſodann ein wunderbares anthropomorphiſtiſches Eingreifen Gottes vorausſetzt, deſſen Möglichkeit wir zwar nicht ab⸗ leugnen, das wir aber nur dann annehmen dürfen, wenn uns keine andere Erklärung mehr übrig bleibt. Ebenſo wenig iſt die zweite Annahme, Gott habe die Sprache den Menſchen fertig anerſchaffen, ¹) Nach Bonald iſt die Sprache göttlich geoffenbart, um die Menſchheit zum
Denken und Erkennen zu bringen. Hiergegen iſt zu bemerken, daß durch das
Wort allein gar nichts erkannt werden kann, wenn nicht die damit bezeichnete
Sache ſchon durch Anſchauung und Erfahrung, äußere oder innere, oder durch
irgendwie vermittelte Erklärung dem Bewußtſein gegenwärtig iſt und dadurch
den Sinn, die Bedeutung davon erſchließt. So müßte alſo Gott mit der
Sprache dem Menſchen zugleich die Welterfahrung und die Ideen gegeben
und fertig überliefert haben. Allein alle geiſtige Gabe iſt eine Aufgabe, wir
müſſen ſie uns aneignen, wir müſſen ſie für uns erarbeiten und ſie ver⸗
wirklichen. S. M. Bonald, Recherches philosophiques sur les prémiers objets des connoissances morales. Paris 1818.


