Aufsatz 
Über Ursprung und Wesen der Sprache
Entstehung
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ſtets nur als etwas Fertiges, mit Einem Male Entſtandenes betrach⸗ teten, überwältigt, ſahen ſich, da ſie ſich ihre Entſtehung auf keine Weiſe natürlich erklären konnten, zur Annahme eines göttlichen Ur⸗ ſprungs mit Nothwendigkeit hingedrängt ²). Hierbei findet wieder die Verſchiedenheit ſtatt, daß einige annehmen, Gott habe die erſten Menſchen die Sprache, ſei es ſelbſt, oder durch ſeine Engel, im Um⸗ gange mit ihnen gelehrt, etwa wie jetzt Eltern ihre Kinder die Sprache lehren ²), während andere behaupten, die Sprache könne, wegen ihrer bewundernswürdigen Vollkommenheit dem Menſchen nicht anders als fertig anerſchaffen ſein. Dieſer Anſicht eines göttlichen Urſprungs der Sprache in den beiden Formen ſteht eine andere ſchnurſtracks entge⸗ gen, nämlich die, daß die Sprache ein Werk menſchlicher Freiheit, eine Erfindung des menſchlichen Verſtandes ſei, eine Anſicht, welche, zuerſt von den Griechen aufgeſtellt*²), auf dem abſtrakt verſtändigen Stand⸗

ſtellung umwandelt, mit der er dann den Geſetzen des Denkens gemäß frei ſchaltet und waltet? Vortrefflich bemerkt Herder in ſeiner Schrift über den Urſprung der Sprache:Wenn uns Jemand ein Räthſel vorlegte, wie Bilder des Auges und alle Empfindungen unſerer verſchiedenſten Sinne nicht nur in Töne gefaßt, ſondern auch dieſen Tönen mit inwohnender Kraft ſo mit⸗ getheilt werden ſollen, daß ſie Gedanken ausdrücken und Gedanken erregen; ohne Zweifel hielte man dieſes Problem für den Einfall eines Wahnſinnigen, der höchſt ungleiche Dinge einander ſubſtituierend, die Farbe zum Tone, den Ton zum Gedanken, den Gedanken zum malenden Schalle zu machen gedächte. Die Gottheit hat das Problem thätig aufgelöſt. Ein Hauch unſeres Mundes wird das Gemälde der Welt, der Typus unſerer Gedanken und Gefühle in des andern Seele. Von einem bewegten Lüftchen hängt alles ab, was Menſchen je auf der Erde Menſchliches dachten, wollten, thaten und thun werden: denn alle liefen wir noch in Wäldern umher, wenn nicht dieſer göttliche Athem uns angehaucht hätte und wie ein Zauberton auf unſern Lippen ſchwebte. Schon Plato kennt dieſe Anſicht(S. Kratylus p. 438.), wo er dem Kratylus die Worte in den Mund legt: Oiuar 2 16 d 2υεα τασν ο 16 ε

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Seuerne ra nodra drd⁴μαα 1o nodννμαρααα, dore drayraiov lrar oαἀ̃ ed 00α ε 2zν. Uebrigens geht aus dem Zuſammenhang hervor, daß ſie bei ihm keinen Beifall findet.

²) Dieſer Anſicht iſt auch Leſſing B. X. ſ. Werke.

²) S. das Nähere in dem bereits angeführten Werke von Steinthal,Ge⸗ ſchichte der Sprachwiſſenſchaft bei den Griechen und Römern u. ſ. w. Da insbeſondere Ariſtoteles dieſer Anſicht huldigte, war ſie bei dem großen An⸗ ſehen dieſes Philoſophen das ganze Mittelalter hindurch bis in die neuere Zeit die beliebteſte.