Aufsatz 
Über Ursprung und Wesen der Sprache
Entstehung
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zu einer befriedigenden Löſung, zu einem entſcheidenden Ergebniſſe kam es nicht. Der Grund hiervon lag einmal und vorzüglich in dem irrigen Begriffe von der Sprache, die ſie ſtets als ein Seiendes und Fertiges, nicht als eine Thätigkeit, und ein Werdendes, als etwas Dualiſtiſches, nicht als die Einheit und Indifferenz von Laut und Vorſtellung, von Leib und Seele betrachteten, dann in der mangel⸗ haften und beſchränkten Kenntniß der verſchiedenen Sprachtypen ¹), ihres Verhältniſſes zu einander und ihrer Geſchichte, ſowie ſchließlich in den dürftigen und vielfach irrigen Vorſtellungen von dem menſch⸗ lichen Geiſte und ſeinem Verhältniſſe zum Leibe. Mangelte demnach Alles zu einer richtigen Auffaſſung der Frage, ſo konnte auch die Antwort nicht anders als ſchief und irrig ausfallen.

Erſt die neuere Sprachwiſſenſchaft²), welche einen allſeitigen, entſchiedenen Fortſchritt auf dem Gebiete der Sprache bezeichnet, hat auch dieſe Frage, wenn nicht vollſtändig gelöſt, doch ihrer Löſung be⸗ deutend näher geführt. Bevor wir jedoch nachſtehend von dem Stand⸗ punkt der neueren Sprachwiſſenſchaft aus eine Löſung unſeres Problems verſuchen, dürfte es am Orte ſein, eine kurze Ueberſicht der bisheri⸗ gen Reſultate nebſt ihrer Kritik vorauszuſchicken.

Zwei Hauptanſichten ſind es, die wir ſchon früh bei der Löſung dieſer Frage hervortreten ſehen und bis in die neuere Zeit verfolgen können. Die Einen von dem Wunderbau ³) der Sprache, die ſie

¹) Bis zu Anfang dieſes Jahrhunderts war der Umfang der Sprachkenntniſſe ein ſehr unbedeutender, auf die beiden alten und die ſemitiſchen Sprachen, insbeſondere das Hebräiſche beſchränkter, und doch iſt es ſehr richtig, was Schleicher in ſ. WerkeDie deutſche Sprache S. 4 bemerkt, daß Jemand, der alt⸗ und neudeutſch ſammt engliſch, ſchwediſch, däniſch und holländiſch, lateiniſch und franzöſiſch, italieniſch und ſpaniſch, griechiſch, ſlaviſch, perſiſch und ſanskrit kennt, trotz ſeines nicht geringen ſprachlichen Wiſſens nur einem ſolchen Pflanzenkenner vergleichbar iſt, dem außer Erbſen, Linſen, Wicken und Bohnen noch nie eine Pflanze unter die Augen gekommen.

²) Ueber das Weſen der neueren Sprachwiſſenſchaft ſowie ihre Urſache ſ. Stein⸗ thalGrammatik, Logik und Pſychologie a. v. St. und die Vorrede zu meiner SchriftZur Sprachwiſſenſchaft.

²) Ein Wunderbau iſt die Sprache allerdings, wie kaum ein anderer ſich uns darbietet. Oder iſt es nicht wunderbar, daß der Menſch vermittelſt einiger 20 Laute die reale Welt des Seins in eine ideale, ihm angehörende der Vor⸗