Aufsatz 
Über Ursprung und Wesen der Sprache
Entstehung
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der Sprachform zum Gedankeninhalt, der philoſophiſchen Methode und der Logik galt. Der Zuſammenhang zwiſchen Name und Ding, zwiſchen Wort und Begriff, das Verhältniß zwiſchen Satz und Urtheil, zwiſchen Denken und Sprechen überhaupt, bilden nacheinander die Kernpunkte der Unterſuchung. Hierbei tritt die Frage nach dem Ur⸗ ſprung der Sprache anfangs noch in den Hintergrund. Erſt in Folge des Umſchwunges, welcher in dem griechiſchen Bewußtſein mit und nach Ariſtoteles vor ſich ging, indem die Subjektivität das Ueberge⸗ wicht über das Objektive erlangte, begnügte man ſich nicht mehr da⸗ mit, bloß das Weſen der Sprache überhaupt, ihre Beziehung zu den Dingen oder zum Gedanken feſtzuſtellen; ſondern man wollte ſich nun auch ihre Entſtehung klar machen und ſuchte daher ihr Verhältniß zum Menſchen, zur Subjektivität näher zu erforſchen ¹). Von der Phi⸗ loſophie ging die Sprachwiſſenſchaft und damit die Frage nach dem Urſprung und Weſen der Sprache auf die Grammatiker²) über und von dieſen auf die neuere Zeit. Erſt im vorigen Jahrhundert taucht die Frage von neuem auf, und zwar wird die bis dahin geltende ariſtoteliſche Anſicht, daß die Sprache eine Erfindung des Menſchen und die Wörter äußere Zeichen der Vorſtellungen ſeien, von ſolchen, die einen göttlichen Urſprung der Sprache behaupten, zu widerlegen geſucht ³). Allein ſo ernſt auch der Kampf und zwar von den geiſt vollſten Männern) mit Aufbietung aller ihrer Kräfte geführt ward,

²) S. Geſchichte der Sprachwiſſenſchaft bei den Griechen und Römern mit be⸗ ſonderer Rückſicht auf die Logik von Dr. H. Steinthal. S. 312.

²) Inſofern ſich die Grammatiker mit der Sprache als ſolcher beſchäftigten, lag es nahe, daß die Frage nach dem Urſprunge und Weſen der Sprache mehr in den Hintergrund trat. Dagegen verdanken wir ihnen die Grundlage der noch heute unter uns geltenden Grammatik. Sie waren es, die die Termino⸗ logie des Ariſtoteles und der Stoiker von dem Gedanken auf die Sprache, von der Logik auf die Grammatik übertrugen, wobei die ſtrikte Bedeutung mancher der Philoſophie entlehnten Ausdrücke nicht unbedeutende Verän⸗ derungen erlitt. S. M. Müller a. a. O. S. 81.

³) Hieher gehören unter andern die Schriften von Joh. Pet. Süßmilch, Ver⸗ ſuch eines Beweiſes, daß die erſte Sprache ihren Urſprung nicht vom Men⸗ ſchen, ſondern allein vom Schöpfer erhalten hat, Berlin 1766, ferner von Hamann(S. deſſen Schriften IV. Bd.), dem berühmten Gegner Herder's.

4) Wir erinnern außer Herder an Leſſing(Bd. X.), Jernſalem und Fichte.