Aufsatz 
Über den Begriff und die Bedeutung der Nationalität überhaupt und die Pflege der deutschen Nationalität durch Unterricht und Erziehung insbesondere
Entstehung
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Erziehung ein tief gehender iſt, daß die Eindrücke, welche das zarte

und bildſame Gemüth des Knaben und Jünglings durch Wort und

Beiſpiel des geliebten Lehrers empfängt, oft für das ganze nach⸗ malige Leben entſcheiden, iſt eine allgemein anerkannte, von Nieman⸗ dem beſtrittene Wahrheit. Wie kann nun, fragen wir, der deutſche Knabe und Jüngling durch Unterricht und Erziehung angeleitet wer⸗ den, ſein Vaterland vor allen Ländern zu lieben, ſo daß er bereit iſt, der Erhaltung ſeiner Selbſtändigkeit als Mann die größten Opfer zu bringen, ja im äußerſten Falle ſelbſt ſein Leben dafür ein⸗ zuſetzen? Um Etwas zu lieben und hoch zu halten, muß man es gehörig kennen und wegen ſeiner Vortrefflichkeit lieben können. Hier iſt nun ein Volk, wie das deutſche, das bei allen Schwächen und Untugenden, die wir nicht in Abrede ſtellen wollen, ſo großartige nationale Güter aufzuweiſen hat, ſo hohe geiſtige und ſittliche An⸗ lagen, eine ſolche Sprache und Literatur, eine ſolche Geſchichte, ein ſolches Land, vor vielen andern gut daran. Es braucht nur der rechte Mann, der mit genauer Kenntniß des Vaterländiſchen eine warme nachhaltige Begeiſterung dafür verbindet, ſich an die empfänglichen Gemüther der Jugend zu wenden und die entſprechende Wirkung kann und wird nicht ausbleiben.

Der erſte Unterrichtsgegenſtand nun, an welchen der Lehrer die Weckung des Nationalgefühls und die Pflege der vaterländiſchen Ge⸗ ſinnung, wenn auch mehr indirekt, anknüpfen kann, iſt die Religion, eines der vorzüglichſten Bindemittel einer Nation und für ſich allein im Stande, wie wir unter andern an den Juden und überhaupt an den orientaliſchen Völkern, bei denen das religiöſe Gefühl von Natur ſtärker und lebendiger iſt¹), ſehen, ein Volk ohne ſtaatliche Verbindung zuſammengehalten. Was nun der Jugend vor Allem noth thut und ihr mit allen Mitteln einzuflößen iſt, das iſt eine ächte und

¹) Es iſt bekannt, daß die Orientalen die Völker nicht ſo ſehr nach ihrer Na⸗ tionalität, als nach ihrer Religion unterſcheiden.