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liegt für jeden Vaterlandsfreund die Frage ſehr nahe, was iſt unter dieſen Umſtänden zu thun?
Angeſichts der von außen drohenden Gefahren, bei der politi⸗ ſchen und religiöſen Spaltung, der lockeren und loſen, eines ſtarken gemeinſamen Mittelpunktes entbehrenden ſtaatlichen Verbindung unſeres Volkes, bei der Lage Deutſchlands in der Mitte zweier großer krie⸗ geriſcher Völker, mit allſeits offenen Grenzen, thut es mehr als je Noth, nicht die Hände in den Schooß zu legen, ſondern insgeſammt, ein Jeder an ſeiner Stelle, für das Wohl des Vaterlandes zu wirken. Wir aber, denen als Lehrern und Erziehern vor Allen die Bildung der kommenden Geſchlechter obliegt, wollen, ermuntert und angefeuert durch das Beiſpiel eines edlen patriotiſchen Landsmannes, in einer früheren, der unſrigen vielfach ähnlichen Zeit¹), uns zunächſt an die Erziehung wenden und im Nachſtehenden näher erörtern, was der Unterricht und die Erziehung für die Pflege des Nationalgefühls und der vaterländiſchen Geſinnung thun können. Daß der Einfluß der
¹1) Es war in der ſchwerſten und ſchmachvollſten Zeit Deutſchlands, im Winter 1807— 8, wo der muthige für Deutſchland begeiſterte Fichte, mitten in dem von den Franzoſen beſetzten Berlin ſich in ſeinen Reden an die deutſche Nation unter andern alſo ausſprach:„Daß wir es nicht mehr vermögen, thätigen Widerſtand zu leiſten, ſpringt in die Augen. Wie können wir nun die Fortdauer unſeres dadurch verwirkten Daſeins gegen den Vorwurf der Feigheit rechtfertigen, was bleibt uns zu thun übrig? Man wird uns unſere Verfaſſungen machen, uns ein Geſetzbuch leihen und jede freie Selbſt⸗ beſtimmung entziehen; blos an die Erziehung hat man nicht gedacht; in dieſer wird man uns ungeſtört laſſen, und dieſe iſt es allein, welche uns retten kann.“ Obwohl unſere Zeit von der damaligen im Ganzen ſehr ver⸗ ſchieden; ſo bietet ſie doch leider in mancher Beziehung große Aehnlichkeit dar. Damals die eiſerne Gewalt des Oheims, vor der ſich halb Europa beugte, jetzt das dämoniſche Netz, in welches der Neffe uns immer wider⸗ ſtandsloſer hineinzieht; damals in unſerm deutſchen Vaterland Zerriſſenheit, Uneinigkeit, Selbſtſucht in Haupt und Gliedern, jetzt dieſelbe Uneinigkeit und Zerriſſenheit u. ſ. w. S. Beilage z. Nr. 77 der„Allg. Ztg.“ 17. März 1860.


