Aufsatz 
Über den Begriff und die Bedeutung der Nationalität überhaupt und die Pflege der deutschen Nationalität durch Unterricht und Erziehung insbesondere
Entstehung
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warme Religioſität, welche es ſie als heilige Pflicht erkennen läßt, das Vaterland und die Nationalität als etwas von Gott Gegebenes, zur Erfüllung der ſittlichen Zwecke hienieden Nothwendiges zu lieben und ihm, wenn es gilt, auch die ſchwerſten Opfer zu bringen. Leichter iſt freilich die Aufgabe da, wo ein Volk oder doch die große Mehrheit deſſelben eine gemeinſame Religion beſitzt; viel ſchwerer wird dieſelbe, wenn eine Nation, wie leider unſere deutſche, obwohl auf dem gemeinſamen Boden des Chriſtenthums ſtehend, doch in der Auffaſſung deſſelben in zwei große Parteien auseinandergeht. Wir berühren hiermit die tiefſte Wunde, die unſerer Nationalität je ge⸗ ſchlagen wurde, nämlich die Glaubensſpaltung durch die Reformation ¹). Was kann nun der Lehrer, dem daran gelegen iſt, das Nationalge⸗ fühl in ſeinen Zöglingen zu pflegen, thun, um dieſes Haupthinderniß der Nationalität, wenn nicht zu beſeitigen, denn das iſt nicht möglich, ſondern möglichſt unſchädlich zu machen? Er wird am beſten ſein Ziel erreichen, wenn er zwar einerſeits die Gegenſätze in der Lehre und kirchlichen Verfaſſung der Konfeſſionen, die nun ein⸗ mal beſtehen, nicht verſchweigt oder vertuſcht, denn das würde Indifferenz vorausſetzen, und die iſt das größte Uebel allein andrerſeits auch dieſelben nicht übertreibt und darüber das viele Uebereinſtimmende und die gemeinſame chriſtliche Grundlage der Kon⸗ feſſionen, die die Bürgſchaft einer endlichen Verſöhnung, woran alle Gutgeſinnten nach Kräften arbeiten ſollten, in ſich ſchließt, nicht überſieht.*) Vor Allem aber wird er ſeine Zöglinge durch Wort und

¹) Auch hier zeigt ſich, was Viele vergebens läugnen, die Wichtigkeit und Bedeutung der Religion, deren Einfluß ſich naturgemäß auf alle Verhält⸗ niſſe erſtreckt. Unter allen Verhältniſſen, worin der Menſch hienieden ſteht, iſt das wichtigſte, alles andere beherrſchende das zu Gott. Von ihm werden daher auch alle anderen Verhältniſſe mehr oder weniger beeinflußt.

²¹) Wer für unmöglich halten ſollte, daß ſo mächtige Gegenſätze, welche ſeit Jahrhunderten die chriſtlichen Völker entzweien, durch die Macht des Geiſtes, alſo durch die Wiſſenſchaft zu verſöhnen ſeien, der möge bedenken, wieviele

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