Aufsatz 
Über den Begriff und die Bedeutung der Nationalität überhaupt und die Pflege der deutschen Nationalität durch Unterricht und Erziehung insbesondere
Entstehung
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Verhältniſſe zu einander als im vaterländiſchen; die natürlichen Volks⸗ unterſchiede blieben, aber verklärten ſich gewiſſermaßen; die Unter⸗ ſchiedenen haßten ſich nicht mehr, ſondern ſie ergänzten ſich. Nicht nur der Beruf zu einem künftigen gemeinſamen Ziele, gegen welches alle nationellen oder ſonſt wie immer gearteten irdiſchen Ziele als unbedeutend zurücktreten, auch die Herkunft aus einer gemeinſamen Wurzel mußte die chriſtlichen Völker verbinden helfen. Die Verſchiedenheit der Völker vereinigte ſich zu einem großen, menſchlichen Urvolke, zu einer Welt⸗ nation und erkannte ſich als ſolche. Der feindliche Stoß der Chriſten⸗ völker untereinander iſt zwar nicht völlig beſeitigt, denn die Sünde bleibt in der Welt; aber er iſt gegen heidniſche Volkskriege unendlich gemildert. Ein ſanfteres, menſchenfreundlicheres Kriegsrecht hat ſich ge⸗ bildet; der Gefangene iſt nicht mehr Sklave, und der Krieg unter Chriſten überhaupt wird wie ein Unglück und eine Impietät, faſt wie ein Bürger⸗ krieg und ſchlimmer angeſehen. Werden nun auch dieſe chriſtlichen Prin⸗ cipien als die Grundlage des Rechts und Verhaltens zwiſchen den Staa⸗ ten betrachtet; ſo haben ſie doch bei der verderbten Natur der Einzelnen und Völker beſtändig um ihre Anerkennung zu kämpfen. So ſind gerade in unſerer Zeit von neuem die gebietenden und zwingherriſchen Begierden der Menſchenbruſt erwacht und treiben die Völker gegen einander in Haß und Streit. Das Wort aber, das den Deckmantel hergeben muß für alle ſchlechten Leidenſchaften der Menſchenbruſt, für Ehrgeiz, Eroberungs⸗ luſt und gemeinen Egoismus, iſt die Nationalität) und die Natio⸗

¹) Daß das Wort, welches allerdings, wie wir oben nachgewieſen, ſeine hohe Bedeutung und relative Berechtigung hat, im Augenblick zu ſelbſtſüchtigen Zwecken mißbraucht wird, geht ſchon daraus hervor, daß die Nationen, das WortNation im eigentlichen und urſprünglichen Sinne genommen, nie weniger Nationen geweſen ſind, als eben heut zu Tage, wo der franzöſiſche Frack die allgemeine Kleidung, bei der Kenntniß vieler Sprachen die Schätzung der eigenen verringert, durch den großen Verkehr, die allgemeine Wanderluſt das Eigenthümliche in Sitten und Gebräuchen mehr und mehr verwiſcht, wo endlich bei der Abnahme einer allgemeinen religiöſen Welt⸗