Aufsatz 
Über den Begriff und die Bedeutung der Nationalität überhaupt und die Pflege der deutschen Nationalität durch Unterricht und Erziehung insbesondere
Entstehung
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ſtörbar, die Miſchungen, ſelbſt wenn wir das ſpätere Alterthum berückſichtigen, gegen unſere durch und durch gemengten Nationen ¹) noch unbeträchtlich waren, wo die ſchärfſten und beſonderſten Eigen⸗ thümlichkeiten der Sitte und des Lebens noch viel mehr, als Flüſſe, Berge oder Grenzmarken die Nationen ſchieden, wo ſelbſt die Götter national waren, und das eine Volk mit ſeinen Nationalheiligthümern und ſeiner Nationalreligion dadurch allein im unrereinbarſten Gegenſatz zu dem anderen Volke mit ſeinen fremden Göttern ſtand: damals waren alle Bedingungen vorhanden, um jedes beſondere Volk faſt wie eine beſondere Welt, wie ein eigenes, den umwohnenden Nationen in Nichts verwandtes Geſchlecht, wie eine eigene, in ſich abgeſchloſſene Schöpfung erſcheinen zu laſſen.

Anders in der neueren Zeit, auf dem Standpunkte des Chriſten⸗ thums! Während das Heidenthum Nichts von der gemeinſamen Ab⸗ ſtammung, Herkunft und Beſtimmung des Menſchengeſchlechts, Nichts von der allgemeinen Menſchenliebe weiß; hat das Chriſtenthum durch ſeine neuen Lehren den Nationalhaß und den Nationalegoismus auf⸗ gehoben und beſeitigt, eine Veränderung, die als eins der größten Wunder der Weltgeſchichte zu betrachten iſt ²). Die Völker waren nicht mehr ſo ſehr Völker, vielmehr blieb die ſcharfe Völkerbezeichnung, gentiles,ethnici ³) den Heiden vorbehalten. Die Chriſten ſahen ſich in dieſer gemeinſamen Eigenſchaft in einem wichtigeren und höheren

¹) Wo gibt es gegenwärtig noch eine ungemiſchte Nation oder einen Staat, deſſen Volk einem und demſelben Stamme angehört? Die meiſten euro⸗ päiſchen Nationen ſind bekanntlich aus einer früheren Völkermiſchung her⸗ vorgegangen, abgeſehen davon, daß faſt in jedem Staate Völker verſchie⸗ dener Nationalität, verſchiedener Sprache, Sitten, Gebräuche u. ſ. w. nebeneinander wohnen.

²) Qui per diversitatem linguarum cunctarum gentes in unitate fidei congregasti heißt es in den Geſängen der Kirche. Vgl. Herder'ſches Kirchen⸗ lexikon unterNationalität.

³) So nannten die chriſtlichen Kirchenväter die Heiden.