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wie er ſich naturgemäß vorzugsweiſe in der Poeſie und der der Poeſie verwandten ſubjektiven Gattung der Proſa, wie dem Roman und der Novelle, ausſpricht, geht ein anderer ebenſo eigenthümlich deutſcher Charakterzug Hand in Hand, der den eigentlichen Grundzug der deut⸗ ſchen Proſagattungen bildet, wir meinen das Streben in die Tiefe, den Drang nach wiſſenſchaftlicher Erkenntniß und Wahrheit. Bezeichnend i*ſt es in dieſer Beziehung, daß der didaktiſche oder Lehrſtyl die erſte literariſche Stylgattung in der deutſchen Proſa bildet*). Dieſer Lehr⸗ ſtyl hat ſich im Laufe der Zeit immer mehr zum eigentlich wiſſen⸗ ſchaftlichen Style entwickelt, und die theoretiſche Proſa iſt nach und nach in überwiegender Maſſe gegen die andern Proſaerzeugniſſe her— vorgetreten. Und zwar haben die verſchiedenſten Gegenſtände, Sprache, Literatur, Aeſthetik, Politik, Jurisprudenz, Medicin, Theologie und Naturwiſſenſchaft eine philoſophiſche, auf die letzten Gründe und Ideen gerichtete Behandlung, anfangs mehr einzeln und zuletzt in großen, alles Wiſſen umfaſſenden Syſtemen erfahren*). In Folge dieſes Strebens nach wiſſenſchaftlicher und gründlicher Erkenntniß ſind die ſämmtlichen proſaiſchen Stylgattungen, insbeſondere die philoſophiſche, didaktiſche und hiſtoriſche ³), zwar ſehr langſam und nach vielen er⸗ müdenden Umwegen, aber um deſto vorzüglicher ausgebildet worden, ſo daß die deutſche Literatur die ausgezeichnetſten Muſter in allen dieſen Gattungen aufzuweiſen hat. Verhältnißmäßig am meiſten zu⸗
werken dieſer Art; wie ſie die Geiſtesanlage der neueren Zeit„und, fügen
wir hinzu, des deutſchen Volkes,“ bedingt, wird man freilich nicht rühmen
können, was Schiller ſelbſt von dem göttlichen Kunſtwerke rühmt:„Den
Künſtler wird man nicht gewahr, beſcheiden verhüllt er ſich in ewige Geſetze!“
S. die Selbſtbekenntniſſe Schiller's von K. Viſcher.
Hierher gehören der Sachſen⸗ und Schwabenſpiegel, die Land⸗ oder Pro⸗
vineialrechte der Sachſen und Schwaben enthaltend.
Wir meinen die drei großen philoſophiſchen Syſteme der neueren Zeit, den
Idealismus Fichte's, das Identitätsſyſtem Schelling's und den Panlogismus
Hegel's.
³) Dagegen iſt die oratoriſche Stylgattung, namentlich was gerichtliche und Staatsberedſamkeit betrifft, in Folge der ſtaatlichen Verhältniſſe und der rechtlichen Einrichtungen am meiſten zurückgeblieben. Mehr iſt jedoch in der Kanzelberedſamkeit geleiſtet worden.
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