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Volkes hervor. Was nun unſere Mutterſprache in dieſer Beziehung betrifft, ſo finden wir alle Stylgattungen, wenn auch ſehr langſam und in großen Zwiſchenräumen, in ihr ausgebildet. Zuerſt hat die deutſche Literatur klaſſiſche Werke in den drei Gattungen der Poeſie aufzuweiſen, die ſich mit den beſten Erzeugniſſen irgend einer Nation vergleichen dürfen. Fragen wir nach den Grundzügen und charakte⸗ riſtiſchen Merkmalen derſelben, ſo tritt uns zuerſt eine große Inner⸗ lichkeit und tief geſchöpfte Subjektivität aus ihnen entgegen, wodurch ſie ſich unter andern von den ähnlichen Werken der Griechen auf das ſchärfſte unterſcheiden. Während bei den Griechen die epiſche Gattung, und zwar mit dem Charakter der reinſten Objectivität, vorherrſcht; iſt bei uns die lyriſche Gattung und der Charakter der Subjektivität in einer Weiſe überwiegend, daß ſelbſt die beiden übrigen Gattungen, die epiſche und dramatiſche vielfach lyriſch gefärbt ſind ¹1). Mit dieſer lyriſchen Stimmung, dieſer vorherrſchenden Subjektivität der deutſchen Poeſie, insbeſondere der neueren Zeit, hängt es zuſammen, daß wir aus ihr die Perſonen der Dichter genau kennen lernen. So ſind die Gedichte Göthe's und Schiller's ebenſoviele Selbſtbekenntniſſe, aus denen wir den deutlichſten, lebhafteſten Eindruck von ihnen ſelbſt bekommen?). Mit dieſem Zuge der Innerlichkeit und Subjektivität,
¹) Dieſer Unterſchied zeigt ſich gleich zwiſchen den beiden großen National⸗ epopöen der Griechen und Deutſchen, dort den homeriſchen Gedichten und hier den Nibelungen. Während die homeriſchen Helden durch ihre bloße Erſcheinung, durch die reine Form ihres Seins und Handelns feſſeln, ziehen die deutſchen durch ihre Geſinnung, die der Mannen und Unterthanen⸗ treue und der Kriegstreue an. Andererſeits iſt nicht nur die lyriſche Gattung in der deutſchen Literatur die reichſe— wer möchte nur die Namen alle zählen, die in neuerer Zeit ihren Weltſchmerz und ihre Welt⸗ luſt in lyriſchen Gedichten ausgeſprochen?— ſondern auch die dramatiſche Literatur iſt weſentlich lyriſch gefärbt, während das Entgegengeſetzte bei den Griechen Statt findet.
„Dieſer konfeſſionelle Chrakter iſt der Dichtung nicht zufällig, ſondern be⸗ dingt durch die ganze Gemüthsverfaſſung eines Zeitalters. Und grade für die Anfänge der neueren Poeſie iſt dieſer Charakter durchaus bezeichnend, durchaus unterſcheidend. Das dichteriſche Selbſtbekenntniß iſt zum Bedürfniß, zur unwiderſtehlichen Nothwendigkeit geworden, und dieſem Triebe gehorcht die Poeſie; ſie ſpielt gleichſam aus dieſem lyriſchen Grundton. Von Kunſt⸗
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