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bekommt ¹).“ In Folge dieſer Eigenſchaften iſt die deutſche Sprache mehr als alle neueren fähig, das Höchſte und Tiefſte, das Stärkſte und Zarteſte auszuſprechen; ſie hält den tiefen Forſcher, den genia⸗ len Dichter in ſeinem Gedankenfluge nicht nur nicht zurück, ſondern fördert ihn vielmehr, indem ſie ſich zu neuen, allgemein verſtändlichen Wortgebilden ausprägen läßt, ungemein ²). So leiſtet ſie der Ori⸗ ginalität und Individualität des Styls einen außerordentlichen Vor⸗ ſchub, während andere Sprachen, denen jene Eigenſchaften mangeln, dem Schwunge der Begeiſterung beſtändig Feſſeln anlegen ³).
Den zuſammengeſetzten Satz angehend, ſehen wir in der älteſten deutſchen Literatur mehr die beiordnende Satzverbindung angewandt, ſowie andererſeits die abſolute Participialkonſtruktion und der Akku⸗ ſativ mit dem Infinitiv, ja ſelbſt eine der griechiſchen Attraktion ähn⸗ liche Zuſammenziehung der Sätze nicht ſelten iſt. Allein nach und nach entwickelt ſich die unterordnende Satzverbindung, die Participial⸗ konſtruktionen und der Akkuſativ mit dem Infinitiv hören auf und an deren Stelle treten ausgebildete Nebenſätze. Hierin zeigt ſich der nach immer größerer Deutlichkeit ringende logiſche Sinn der Nation. Die Nebenſätze unterſcheiden nämlich durch die Flexion des Verbs
¹) S. Lazarus a. a. O. II. 158.
²) Ganz das Gegentheil findet in abgeleiteten Sprachen, wie z. B. der fran⸗ zöſiſchen Statt. So laſſen ſich von dem Worte Menſch eine große Zahl neuer Wörter durch Ableitung und Zuſammenſetzung bilden, wie menſchlich, unmenſchlich, übermenſchlich, vermenſchlichen, Menſchlichkeit, Menſchheit, entmenſchen, Unmenſch, Menſchenalter, Menſchwerdung, Menſchenfeind, Menſchenfreund, Menſchenliebe u. ſ. w. welche ſich organiſch immer ver⸗ mehren laſſen und ſofort allgemein verſtanden werden; während im Fran⸗ zöſiſchen die Wörter humain, humanité, anthropophage, philanthrope, misanthrope, incarnation etc. theils durch Veränderung der Grundlaute, theils durch gänzliches Abſpringen von dem Stammwort, für den Franzoſen alle Anſchaulichkeit und Verſtändlichkeit verlieren.
Wie unter andern die franzöſiſche Sprache, welche ihre ſtehenden Wörter und Redensarten hat und hinſichtlich des Styles uniform iſt, weßhalb Börne bemerkt:„Die Franzoſen können keinen Styl haben, weil ihre Sprache einen hat. Wer in Frankreich ſchreibt, ſchreibt wie die guten franzöſiſchen Schriftſteller, oder ſchreibt ſchlecht“ S. Börne's geſammelte Schriften, 3. Th. Bemerkungen über Sprache und Styl.
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