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Zeit⸗ und Modusverhältniſſe des Prädikats und durch die Form der Verbindung Beſonderheiten der grammatiſchen Beziehungen, welche durch die Participien nicht ſo deutlich unterſchieden werden, und ge⸗ währen daher immer eine größere Beſtimmtheit und Deutlichkeit der Darſtellung. Wenn die participiale Faſſung mehr die Einheit des ganzen Gedankens hervorhebt und den auf einen Begriff zurückge⸗ führten Gedanken ſchlechtweg als ein Glied des Hauptgedankens dar⸗ ſtellt, wodurch mehr die Fülle des Gedankens hervortritt; ſo ſtellen die Nebenſätze hingegen den auf einen Begriff zurückgeführten Ge⸗ danken wieder nach ſeiner Beſonderheit in der Form eines Gedankens dar und heben dadurch den logiſchen Werth deſſelben in dem Haupt⸗ gedanken hervor. Der Nebenſatz hat einen größeren logiſchen Werth als das Glied des einfachen Satzes, aus dem er ſich entwickelt hat, und die Hervorhebung des logiſchen Werthes tritt in der Betonung der Nebenſätze und in den mit der Betonung gegebenen Gliederpauſen, ſowie meiſtens auch in ihrer topiſchen Stellung hervor ¹). Wir ſehen in dieſem Vorgange eine ähnliche aus dem Streben nach Deutlichkeit und logiſcher Beſtimmtheit entſprungene Erſcheinung, wie wir bereits in dem häufigeren Gebrauch der Präpoſitionen ſtatt der Kaſusendun⸗ gen und der Hülfszeitwörter ſtatt der einfachen Modi und Zeiten hervorgehoben haben.
Die höchſte Stufe des zuſammengeſetzten Satzes bildet die Periode, mit welcher die Satzbildung ihre Vollendung erreicht. Was nun die deutſche Periodik angeht, ſo hat es lange gedauert, bis die deutſche Sprache ihre volle Ausbildung nach dieſer Seite hin erlangt hat. „Die deutſche Proſa, ſagt Mundt ²), war in ihrer Entſtehung etwas Wiſſenſchaftliches, eine Produktion der Gelehrſamkeit, eine Abſtraktion aus den Alten; ſie wurde nicht durch die Bedürfniſſe des öffentlichen Lebens, noch durch geſellſchaftliche Reize und Anläſſe hervorgerufen und gefärbt. Ihre Grundbildung fällt in die Wiederherſtellung der Wiſſenſchaften in Deutſchland, und dieſe Elemente eines gelehrten, beſonders aber latiniſirenden Satzgefüges, das einen durchgängigen
¹) S. F. Becker's Organismus, S. 555. ¹) S. Mundt, die Kunſt der deutſchen Proſa, S. 59 ff.


