Aufsatz 
Über Buffon's Ausspruch:"Le style est l'homme nême" oder über die Bedeutung des Stils für die Charakteristik der Völker und Einzelnen, mit besonderer Berücksichtigung des deutschen Stiles
Entstehung
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eigentliche und einfach lebendige Styl, den man im Unterſchied von dem blühenden und blumenreichen den grünenden, friſchen und ſaft⸗ vollen nennen kann, beruht weſentlich auf ihnen*). Unſere Mutter⸗ ſprache, trotz der vielen Veränderungen, die ſie ſeit Jahrhunderten erfahren, beſitzt dieſe Eigenſchaft noch in hohem Grade und iſt ver⸗ möge derſelben mehr als die romaniſchen Sprachen, in denen die urſprüngliche Bedeutung der Wörter meiſtens erloſchen iſt und nicht mehr verſtanden wird ²), im Stande, den Inhalt der Gedanken mit Anſchaulichkeit darzuſtellen.

Die zweite charakteriſtiſche Eigenſchaft des deutſchen Styles, die Originalität, die derſelbe mit den klaſſiſchen Sprachen gemein und vor den meiſten neueren Sprachen voraus hat, beruht auf der Wortbildungs⸗ und Verſtändnißfähigkeit unſerer Mutterſprache als Stammſprache.Die Wortbildungs⸗ und Verſtändnißfähigkeit aber iſt ein Zeugniß oder eine Frucht von der noch fortdauernden Leben⸗ digkeit der inneren Sprachform, durch welche gerade, wie in der ur⸗ ſprünglichen Sprachſchöpfung die Vorſtellungen in ihrer Verbindung belebt, verwandelt, ſpecificirt oder umgeſtaltet und endlich in ihrer neuen Geſtalt fixirt werden. Wo nun aber die innere Sprachform, wie in den todten und manchen lebenden Sprachen, nicht mehr jene Lebendigkeit beſitzt, da können auch die Bedeutungen der Wörter weder erweitert noch verändert und deßhalb auch Verbindungen zu dieſem Zwecke nicht vollzogen werden; die Wörter gleichen hier den geprägten Münzen, welche einen wechſelloſen Werth haben, und die Gedanken können nur in der gangbaren Münze aufgezählt werden, während das Wort, bei lebendiger innerer Sprachform vielmehr dem Metall vergleichbar iſt, welches je nach ſeiner Prägung und Zuſam⸗ menſchmelzung, welche der Redende ihm verleiht, einen neuen Werth

¹) S. Lazarus, Leben der Seele, II. 146.

²) Vgl. z. B. im Franzöſiſchen: expliquer, opprimer, supprimer, conniver, rétorquer, recalcitrer, inculquer, supposer, traduire, insister, eir- conscrire, exagéèrer, insulter etc. In allen dieſen und ähnlichen Wörtern ſchlafen, ſo zu ſagen, die Beſtandtheile und mit ihnen ſchläft auch die Figur, die ſie ausdrücken.