Aufsatz 
Über Buffon's Ausspruch:"Le style est l'homme nême" oder über die Bedeutung des Stils für die Charakteristik der Völker und Einzelnen, mit besonderer Berücksichtigung des deutschen Stiles
Entstehung
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welche in der deutſchen Sprache der organiſche Ausdruck für die logi⸗ ſche Form des Gedankens und Begriffes iſt, hat damit eine andere Bedeutung und andere Geſetze, als in andern Sprachen. In jedem Begriffsworte hat der Stamm als der Träger des Begriffs und in jedem Satzverhältniß das Hauptwort als der Träger des Haupt⸗ begriffes den Hauptton; in ihm tritt eine That des denkenden Geiſtes unmittelbar in die Erſcheinung, und wir nennen die Betonung, in ſo fern ſie als der organiſche Ausdruck dieſer That und der logiſchen Form des Gedankens aufgefaßt wird, die logiſche Betonung. Das Tonverhältniß, in welchem die logiſche Form des Begriffes und des Gedankens in dem Satzverhältniſſe und in dem ganzen Satze in die Erſcheinung tritt, befriedigt aber zugleich unſer Gefühl für ein ſchönes Ebenmaß der Tonverhältniſſe und in dieſer Beziehung nennen wir die Betonung die phonetiſche. In den organiſch gebilde⸗ ten Formen der deutſchen Sprache ſind dieſe zwei Seiten der Be⸗ tonung nicht geſchieden; die logiſche Form des Gedankens und des Begriffes ſtellt ſich auch in phonetiſch ſchönen Tonverhältniſſen dar und die organiſche Vollkommenheit der logiſchen Form thut ſich unſerm Gefühle kund durch die Vollkommenheit des phonetiſchen Rhythmus. Die deutſche Rede übt dadurch, daß die geiſtigen Schwingungen des Gedankens in wohlklingenden Tönen lieblich das Ohr berühren, auf den Hörer einen wunderbaren Zauber aus, den wir, weil daran ge⸗ wöhnt, erſt bei der Vergleichung mit den andern Sprachen ganz ge⸗ wahr werden ¹). In dieſen, wie z. B. in den klaſſiſchen Sprachen,

¹) S. Styllehre von F Becker, Einleitung. In den neueren Sprachen, wie den romaniſchen, hat zwar auch wie im deutſchen der Akcent das Ueberge⸗ wicht über die Quantität, die in den alten Sprachen vorwaltete, erlangt; allein auch in ihnen iſt das Gefühl für die logiſche Bedeutung des Tons getrübt und auch ſie ſetzen den Akcent nach dem Wohllant nicht nach der Bedeutung. Uebrigens iſt es merkwürdig genug, daß der Akcent allmählig überall, ſelbſt in den alten Sprachen(wir erinnern an die lateiniſchen Kirchenlieder und das Neugriechiſche) den Sieg über die Quantität davon getragen hat. Es werden dadurch die geiſtreichen Bemerkungen des Grafen Schlabrendorf über den Akcent beſtätigt, wenn er ſagt:Der Akeent, die unendliche Abwechſelung der Töne, ſpricht das Tiefſte des Gemüthes an; das Sylbengewicht wird dabei nicht überhört, aber zur Nebenſache. Iſt es