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Unterordnung Statt findet, iſt von der größten Wichtigkeit für die Be⸗ urtheilung der Zeiten und Völker ſowohl, als der Einzelnen. Während die Sprache des Kindes und der Ungebildeten bei wenig entwickelter Einſicht in den logiſchen Zuſammenhang der einzelnen Gedanken jene Verhältniſſe unausgedrückt läßt und die einfachen Sätze entweder ver⸗ bindungslos aneinander reiht oder ſie durch bloß äußerliche Bindemitttel (kopulative Konjunktionen), welche nur überhaupt einen Zuſammenhang, nicht aber die innere Natur deſſelben oder das logiſche Verhältniß der verknüpften Sätze ausdrücken ¹), verknüpft; ſtrebt dagegen der zu größe⸗ rer Reife gediehene denkende Geiſt, dem dieſe rohe, unorganiſche An⸗ reihung der Gedanken nicht mehr genügen kann, dahin, ihr inneres Verhältniß zu einander durch die Redeform ſelbſt auf eine völlig ent⸗ ſprechende Weiſe darzuſtellen, indem er dem einfachen Satze ſeine Selbſtſtändigkeit nimmt und ihn zum Beſtandtheile oder Gliede eines größeren Gedankenganzen macht²). Die Wörter, welche mit der Aus⸗ bildung der zuſammengeſetzten Sätze entſtehen, ſind die Konjunktionen, aus deren größerer oder geringerer Zahl und Beſchaffenheit, je nach⸗ dem ſie bloße Raum⸗ und Zeitanſchauung oder die höheren Kategorien der Urſache, der Abſicht und des Zweckes ausdrücken, ſich wichtige Schlüſſe auf das größere oder geringere logiſche Vermögen eines Volkes oder Individuums ziehen laſſen ³). Da übrigens die Sprach⸗ darſtellung obwohl im Allgemeinen ein Abbild des Gedankens und
¹) Dieſe Nebeneinanderſtellung der Gedanken in der kopulativen Verbindung ſtellt ſich beſonders dar, einerſeits nach den Raumverhältniſſen des Seins in der beſchreibenden und andererſeits nach den Zeitverhältniſſen von Thätigkeiten in der erzählenden Darſtellung. S. Becker Organismus 477. Auch hier findet, wie in der geſammten Sprache, eine Entwicklung, ein Aufſteigen von der Raum⸗ und Zeitanſchauung zu den höheren Kategorien des Grundes, der Abſicht und des Zweckes Statt, wie viele Konjunktionen, da, weil, damit u. ſ. w. noch deutlich zeigen. S. meinen Aufſatz über die Bedeutung der Raumanſchauung in N. Jahrb. für Phil. und Päd. Bd. LXXVIII. Heft 11.
²) S. Heyſe's Grammatik, S. 584.
²)„Die weniger gebildeten Sprachen haben gewöhnlich Mangel an Konjunk⸗ tionen oder bedienen ſich dazu nur mittelbar zu dieſem Gebrauch paſſender, ihm nicht ausſchließlich gewidmeter Wörter.“ S. W. v. Humboldt a. a. O. S. 276.


