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ähnlicher Gegenſatz findet zwiſchen den ſüdafrikaniſchen und den tu⸗ raniſchen Sprachen Statt, von denen die erſteren den Häuptling, das Subjekt in mehr oder weniger durchſcheinender Verlarvung aus jedem Winkel hervorblicken laſſen, die letzteren aber ſo ſehr verbaler und prä⸗ dikativer Natur ſind, daß ſelbſt im Subſtantivum und in Allem, was damit zuſammenhängt, deutlich das Verbum durchſchimmert. ¹) Es leuchtet von ſelbſt ein, daß dieſe mangelhaften Entwickelungen des Satzbaues, wie ſie aus einem mangelhaften Sprach⸗ und Denkver⸗ mögen hervorgegangen ſind, ſo auch auf die Entwicklung des Geiſtes, dem das gehörige Organ und die geeignete Form dazu abgeht, wie⸗ der nachtheilig zurückwirken.“) Denn wenn auch Undeutlichkeit und Mißverſtand in dieſen Sprachen niederer Bildung bis auf einen ge⸗ wiſſen Grad vermieden werden können; ſo muß doch die aus dem Mangel an Formwörtern hervorgehende Schwierigkeit, logiſche Ver⸗ hältniſſe und Beziehungen auszudrücken, den Aufſchwung und die Freiheit des Geiſtes ungemein hemmen und erſchweren.“) Daher kann auch von einem Style in jenen Sprachen, wo die formellen Verhältniſſe ganz unangemeſſen oder nur durch die Stellung der un⸗ geſtalteten Wurzeln ausgedrückt werden, nur im uneigentlichen Sinne die Rede ſein. Anders in den Sprachen vollkommneren Baues, wie den ſanskritiſchen und theilweiſe den ſemitiſchen. In ihnen kom⸗ men, in Uebereinſtimmung mit dem Weſen des Satzes, welches auf der analytiſch⸗ſynthetiſchen Thätigkeit des Verſtandes beruht, die ein⸗ zelnen Begriffe in ihrer Beſonderung, ausgeprägt in feſten Wortein⸗ heiten, ebenſo ſehr zur Anerkennung, als andererſeits die Satzeinheit durch beſondere Formen deutlich und beſtimmt gewahrt wird. Stim⸗ men nun zwar dieſe Sprachen in den weſentlichen Punkten des Satz⸗ baues den vorhergenannten Sprachen gegenüber überein; ſo gehen ſie
¹) S. Organismus der Wiſſenſchaft u. ſ. w. v. A. Helfrich S. 300 ff.
²) Vgl. die vortreffliche Abhandlung W. v. Humboldt's„»Ueber die Bildung ſprachlicher Formen.“
²) So ſagt man im Chineſiſchen, um nur Ein Beiſpiel anzuführen, wie ſchwer es den Sprachen niederer Bildung wird, die Beziehungen der Begriffe unter einander auszudrücken, um den Satz auszudrücken:„Die Bedienten ſahen einander an“, die Bedienten, du ſiehſt mich an, ich ſehe dich an. S. Lazarus Leben der Seele II. B. 107.


