Ueber
Buffon’s Ausſpruch:„Le style est l'homme méeme“ oder über die Bedentung des Styls für die Charakteriſtik der Völker und Einzelnen, mit beſonderer Berückſichtigung des dentſchen Styles.
Kaum irgend eine Wiſſenſchaft dürfte in neuerer Zeit einen bedeu⸗ tenderen Aufſchwung genommen und größere Ergebniſſe geliefert haben, als die Wiſſenſchaft der Sprache. Zwei Punkte ſind es, welche dieſen Fortſchritt ganz beſonders kennzeichnen, einmal die mit der hiſtoriſchen Sprachforſchung Hand in Hand gehende Sprachvergleichung und dann die tiefere philoſophiſche Erfaſſung der Sprachidee und des Verhält⸗ niſſes der Sprache zum menſchlichen Geiſte überhaupt und zu dem Zeit- und Volksgeiſte insbeſondere. Was zunächſt die Sprachver⸗ gleichung angeht, welche mit der Vergleichung der indogermaniſchen oder ſanskritiſchen Sprachen begonnen hat ¹) und ſich gegenwärtig über alle bekannten Sprachen der Erde erſtreckt; ſo hat dieſelbe nicht nur über alle Theile der bedeutendſten Stammſprachen, die phonetiſche, wie die intellektuelle Seite, die Formenlehre nicht minder als die Syntax ein helleres Licht verbreitet und eine Menge früher dunkler Punkte aufgeklärt, ſondern ſie hat ihren wohlthätigen Einfluß auch auf andere verwandte Zweige des Wiſſens ausgedehnt.„Verglichen unter einander und als Objekte der Naturkunde des Geiſtes betrachtet, nach der Analogie ihres inneren Baues in Familien geſondert, ſind die Sprachen(und dies iſt eines der glänzendſten Ergebniſſe der
¹) Der Begründer dieſes Studiums, Fr. Bopp, hat mit dem eindringendſten Scharfſinn und in lichtvoller Darſtellung die Geſetze der Lautumwandlung, wie die weſentliche Einheit der gewaltigen Reihe von Sprachen in der Beugung des Verbums, wie des Nomens und in der Maſſe der Wort⸗ ſtämme nachgewieſen. S. die Sprachvergleichung in ihrem Verhältniſſe zur klaſſiſchen Philologie von G. Curtius. 1*


