Parallelismus:
„Ausgeleert hab' ich Der Worte Köcher und erschöpft der Bitten Kraft.“
(Braut von Messina.) Chiasmus:
„Heisses Blut Ist meine Bosheit, mein Verbrechen Jugend.“ (Don Carlos.)
8.
Erfasst der Rhythmus den Lautgehalt des Wortes selbst, so er- scheint er zunächst im Anklingen einzelner Laute, welche an be- stimmten Stellen in verschiedenen, in gewissen Entfernungen stehen- den Wörtern gleichmässig und dadurch auf einander als etwas Zu— sammengehöriges hinweisend hervortreten: Der Rhythmus des Anklangs.
Zunächst der Anklang am Anfang des Wortes: Der Stabreim oder die Alliteration. Sie ist herrschendes Princip der poetischen Form in den altgermanischen Sprachen.
Sodann erscheint der Anklang am Ende des Wortes:
Erstens als blos vocalischer Anklang in der letzten betonten Sylbe: Dié Assonanz. Diese Form ist vorzugsweise in der spani- schen Poesie verwandt worden.
Zweitens als die sämmtlichen Laute vom Vocal der letzten be- tonten Sylbe an umfassend: Der Reim in seinen vier Gestaltungen als stumpfer, klingender, schwebender und gleitender Reim(Land: Band; sagen: klagen; Meinung: Erscheinung; erbliche: sterbliche). Es ist in den modernen Sprachen meist das herrschende Princip ge- worden.
9.
Bisher kamen immer nur einzelne Wörter in Betracht. Allein der Rhythmus geht weiter und ergreift die sämmtlichen Wörter, be- achtet aber zunächst nur die betonten Sylben und lässt die unbetonten unberücksichtigt: Der Rhythmus des Accentes. Zwischen den Hebungen können eine oder mehrere Senkungen stehen oder auch ganz wegfallen, nur darf dies letztere nicht bei allen Senkungen einer einzel- nen Wortreihe der Fall sein, da sonst aller Unterschied aufhören und die


