Aufsatz 
Der Rhythmus als Grundlage einer wissenschaftlichen Poetik
Entstehung
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Die poetischen Formen.

7.

Da das Wort zunächst da ist um eine Vorstellung darzustellen, so kann der Rhythmus an dieser selbst hervortreten. Die höhere Ein- heit wird alsdann dadurch bewirkt, dass innerhalb des Satzbaues in einem bestimmten Gliede desselben die gleiche oder eine ähnliche Vorstellung wiederkehrt. Durch ihre gleiche Stellung im Satzbau als gleiche Satzglieder wird deutlich auf die Zusammengehörigkeit der die verwandte Vorstellung gebenden Wörter hingewiesen. Es ist dies der Rhythmusder Satzglieder, der in der hebräischen Poesie herrscht und gemeinhin unter dem Namen des Parallelismus be- kannt ist.

In dem Satz:Wer sind sie die Götzen giessen, der kein nitze ist?%ᷣwürde kein Rhythmus in unserem Sinne vorhanden sein; keine deutlich erkennbaren Theile weisen auf eine Zusammenfassung zu einem Ganzen hin, dessen Wirkung das Vorhandensein einer ästheti- schen Form andeutete. Allein Jesaia 44, 10 heisst es:Wer sind sie die einen Gott machen und Götzen giessen, der kein nitze ist? und nun sind in der That zwei deutlich erkennbare, zur Zusam- menfassung naturgemäss anregende Theile da; sie werden durch die einheitliche Wirkung als Ganzes, als ästhetische Form empfunden.

Stehen die einander entsprechenden Satzglieder jedesmal in der- selben Reihenfolge, so ist dies Parallelismus in engerem Sinn; stehen sie in umgekehrter Ordnung, so kann man diese Form Chiasmus nennen.

Jesaia 40, 30: Die Knaben werden müde und matt und die Jünglinge fallen.

Subject Prädicat: Subject Präcdicat.

Jesaia 40, 29: Er giebt dem Müden Kraft und Stärke genug den Unvermõögenden.

Dativobject Accusativobject:

Subject Prädicat 1 3 Aejgel 3 nlic Accusativobject Dativobject.

Diese poetische Form wird, wenn auch nicht als ausschliessliches Princip, natürlich auch bei anderen Völkern gebraucht. Im Deutschen z. B. wendet sie Schiller mit Vorliebe an.