Das Wort, welches selbst wieder die höhere Einheit von Lauten ist, kann eben um dieser Zusammensetzung willen von verschiedenen Seiten her die Anregung geben es mit anderen Wörtern in einer neuen höheren Einheit aufzufassen, so dass es mit diesen zusammen als ästhetische Form wirkt. Je mannichfaltiger der Bau des Wortes durch die Zahl seiner Laute und deren Beschaffenheit ist, desto mannichfal-
tiger wird die Möglichkeit einer derartigen Anregung sein. Also:
Es muss das Wort nach seinen verschiedenen Möglichkei- ten hin Anregung zu seiner Zusammenfassung mit anderen zu geben, untersucht werden.
6.
Zunächst jedoch bedürfen wir eines einfachen, bezeichnenden Na- mens für die in einer Reihe von Einheiten ruhende Fähigkeit in uns eine Zusammenfassung derselben zu einem Ganzen von einheitlicher Wirkung anzuregen. Hierzu scheint mir das Wort„Rhythmus“ geeig- net, welches ursprünglich jede Bewegung, sodann aber in der Regel die abgemessene, taktartige Bewegung bezeichnet. So sagt Plato: „Für die Ordnung der Bewegung möge Rhythmus der Name sein.“ Doch war die Begrenzung des Begriffes keine scharf bestimmte, wie denn Aristoteles, je nach dem Gegenstand des Rhythmus, diesen Na- men bald in engerer, bald in weiterer Bedeutung gebraucht, und ihm daher in der Poetik die Metra bald coordinirt, bald subordinirt. Da nun die durch das Wort dargestellten oder an ihm zur Erscheinung kommenden Einheiten zeitlich aufeinander folgen, so ist die„Bewe- gung“ vorhanden, und wir dürfen wohl dem bereits die geordnete Be- wegung mancherlei Art bezeichnenden Wort noch die hier hervorge- hobene besondere Eigenschaft der Bewegung als Erweiterung und Feststellung des Begriffes zugleich hinzufügen, obgleich es sonst noch nicht geschehen ist. Also:
Wir gebrauchen den Ausdruck„Rhythmus“ um diejenige Bewegung von Zeiteinheiten, wie sie zunächst an dem Wort hervortreten, zu bezeichnen, welche in sich die Fähig- keit trägt uns anzuregen eine gegebene Reihe von Einheiten als ein Ganzes von einheitlicher Wirkung zusammenzu- fassen.


