Aufsatz 
Johann Friedrich Seidenbender's Vorschläge für die Wiederaufrichtung der Stadt Worms nach der Zerstörung derselben durch die Franzosen im Jahre 1689 / von August Weckerling
Entstehung
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1. zu ſonn⸗ und feſt⸗ alß anderen monathl. oder ſonſt anſtellenden buß⸗ und bett⸗tagen, ſo lang die predigt wäret, die thore zuzuhalten, auch nicht eher zu eröfnen, biß die predigt auß ſeye. Zu welchem ende, wen daß Vatterunßer gebettet würde, mit der glocken ein zeichen zu geben, auf daß auch die, ſo etwa nicht in die kirche kommen mögen, zu hauß ein gleichmäſiges betten können, welcherley zeichen auch nach andern gehaltenen früh⸗ und nachmittags⸗predigten zu ſothanem gebrauch zu geben wäre.

2. Soll man denen würthen und gaſthaltern verbiethen, auf dergleichen ſonn⸗ feyer⸗ und betttage biß nach gehaltenem gottes⸗dinſt keine gäſte zu ſetzen; frembde oder durchreißende perſonen ſind hirunter nicht mit begriffen. Und wiewohlen zu wünſchen wäre, daß es gäntzlich underwegen gelaßen werden müßte, ſo iſt es doch, wie gedacht, mehr zu wünſchen alß zu hoffen, wenigers zu erlangen, weiln die angeerbte un⸗ arth ſich nicht dergeſtalt ein⸗[10] ſchräncken laßen will, und eine obrigkeit über ſothanem gäutzlichen verbott wegen der vielen pfaffen, denen wein zu zapfen zu gewiſſen zeiten vermög der verträge nicht gewehret werden kan, und Dalberger höfe doch nicht zu halten vermögend iſt. Dahero vermahnet der unvergleichliche Tacitus, omittenda potius esse*) praevalida et adulta vitia, quam hoc assequi, ut palam fieret, quibus vitiis impares essemus. Doch ſolle alles übermäßige trinken, ſo in wein⸗ als bier⸗ und andern häußern und die darauß entſtehende völlerey, alß ein dcwrta und unordentlich⸗ wild⸗ und wüſtes leben, ſo viel thunlich, vermiden werden, dahero des ſommers uber glock 10, des winters aber uber 9 uhr(frembde und reiſende abermahlen außgenommen) wein⸗ oder bier zu ſchencken nicht erlaubet ſein ſolte. Und weiln ſich manche ruch⸗loſe gemüther den geiſt gottes doch nicht werden regiren laßen wollen, ſondern dem verderben mit verhengtem ziegel zuzurennen, auch mühſame wege ergreifen und auf die dörffer zu gehen und allda zu zechen nicht underlaßen werden, ſo kan man zwar ſolches auß allerhand mit einlaufenden umbſtänden nicht weren; inzwiſchen hielte doch ſonder ziel⸗ſetzung davor, daß die wieder in die ſtatt gekommene, wen ſie unnütze und loſe händel anfangen, quia vinum nihil moderabile suadet, mit recht⸗fühlender ſtrafe beleget würden. Dergleichen auch denen[11] zu begegnen ſein würde, die ſo ungemeine liebhaber der ſo genanten pfaffenkeller ſeind. Dan, weiln vermög der rachtung, worauf magiſtratus geſchworen, der pfaffheit ſolcher wein⸗

*) Tac. Annal. III. 53.