Aufsatz 
Johann Friedrich Seidenbender's Vorschläge für die Wiederaufrichtung der Stadt Worms nach der Zerstörung derselben durch die Franzosen im Jahre 1689 / von August Weckerling
Entstehung
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einen ernſt, und den garten Jeſu eine freude ſein laſſen, Uria ſelbſt rauchern und Aaron allein ſein will, ſo würd ein verzehrendes feuer und abgöttiſches kalb darauß, wornegſt denen underthanen ihre hertzen an die nichtige kürbiß und wollüſtige fleiſchtöpfe oder wohl gar den ſtinckenden knoblauch aller ungerechtigkeiten bald wieder anwachßen, und ſincken alsdann alle zucht und freye künſte[8] wieder zu boden. Ich meine, das weh über Capernaum, Chorazin und Bethſaida*) habe uns auch getroffen.

So iſt auch bey unß in der ſtatt kein einziges gebeude ſtehen geblieben, ſondern alles von der wütenden flamme biß auf den grund verzehret worden. Und damit es nicht gantz vollends mit unß auß werde, und wir nicht wieder in daß alte laſter verfallen, da mancher gemeinet, wen er ſich nicht toll und voll ſchlafen geleget, es wäre nicht ſontag geweßen, ſo muß man denen von Aaron loßgemachten, abtrünnigen Iſraeliten ihr kälber⸗feſt zu feyern nicht nachahmen, umb ſich niederzuſetzen, zu eßen und zu drincken und zu ſpielen aufſtehen, damit gott nicht abermahln zurufe:Danckeſt du alſo dem herrn deinem gott, du toll und thöricht volck? und unß den koht unſerer feyer⸗ tage in daß angeſicht, ja unß gar vor ſeinem angeſicht verwerffen müſſe.

[91 Weme demnach ſein chriſtenthumb ein rechter ernſt ſein will, würd ſeinen ſabbath und ſontags⸗feyer alſo halten, daß er des apoſtoli⸗ ſchen ſpruchsIhr eſſet, oder trinket, oder was ihr thut, ſo thut es alles zu gottes ehre, nicht vergeſſend ſein möge. Dan daß man ein held ſeye, wein zu ſaufen und ein krieger in föllerey, iſt einem recht⸗ ſchaffenem chriſten eine unanſtändige arth, feſt⸗tage zu halten. Dieſe ſind wohl freuden⸗tage, aber nicht nach epicuriſcher weltweiſe, ſondern, ſoll in denſelbigen truncken werden, wen man ja dazu belieben träget, von den reichen gütern des göttlichen haußes, da wir geträncket werden mit wolluſt alß mit einem ſtrom. Und ſollen wir unß alßdan in dem herrn, nicht aber in dem Baccho, oder wein⸗ und bier⸗gott, freyen. Und wolte gott, daß wir ſo geneigt geweſen und noch wären, ſeine ehre in allen dingen zu fördern, alß wie er geneigt iſt, in allen dingen unßer beſtes zu ſuchen! aber leyder! da Chriſtus nur geſucht hat daß unßere und nicht daß ſeine, da ſuchen wir daß ſeine nicht, ſondern nur daß unßere, ſo aber nichts anderſt auch alß daß verderben mit ſich führen können. Allem unſeegen dieſemnechſt vorzukommen, ſo wären

*) Ev. Matth. c. 11. 21. 23. Dieſer Satz iſt hier etwas gekürzt.