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in der Stadt und Bürgerſchaft dulde. Nach eingehender Erwägung der Sache nach den verſchiedenſten Seiten hin rät er, den Reformierten Aufnahme in die Stadt und Begründung einer eigenen Gemeinde mit einer eignen Kirche und Schule zu gewähren, dieſelben jedoch für alle Zeiten von dem Regimente fern zu halten. Dieſem Rate Seidenbenders folgte der Magiſtrat und trat ſogleich nach ſeiner Rückkehr mit Refor⸗ mierten in Unterhandlungen, infolge deren ſchon 1699 am 13. Juni das auch im Druck ausgegangene Concordat des Rats mit der reformierten Gemeinde aufgerichtet worden iſt. Unter dem Schutze der Könige von Preußen bildete ſich hierauf in Worms eine nicht unbedeutende reformierte Gemeinde, die ſich 1740 eine eigene Kirche, die Friedrichskirche, baute. Die lutheriſche Gemeinde hatte ſich ſchon in den Jahren 1709— 1725 eine neue, große Kirche, die Dreifaltigkeitskirche, erbaut und war auch hierbei in bezug auf die Wahl des Platzes und der Geſtalt der Kirche dem Rathe Seidenbenders gefolgt.
Bei der Duldſamkeit, die Seidenbender im Intereſſe ſeiner Vater⸗ ſtadt den Reformierten gegenüber anrät, muß ſein engherziger, fanatiſcher Haß gegen die Juden um ſo mehr auffallen, der in eigentümlichem Gegenſatze zu ſeiner ſonſtigen Frömmigkeit ſteht. Von der durch das Chriſtentum gebotenen Liebe gegen den Nächſten merkt man hier nichts. Er ſtand mit dieſen Anſchauungen leider nicht allein, ſie waren im ganzen 17. Jahrhundert in Worms die herrſchenden geweſen. Der ſchon vorhandene Haß gegen die Juden, man denke z. B. nur an die 1613 verſuchte Austreibung derſelben, war durch das Verhalten derſelben während der franzöſiſchen Occupation noch geſteigert worden. Daß die Juden bei der ihnen zu Teil gewordenen Mißhandlung keine beſondere Liebe zur Stadt hegen konnten und eben durch die Mißhandlungn, zum Teile wenigſtens, bewogen worden waren, ſich auf die Seite der Franzoſen zu ſchlagen, von denen ſie Er⸗ leichterung hofften, läßt Seidenbender nicht gelten. Er möchte ſie am liebſten ganz aus der Stadt vertreiben(S. 9 u. S. 35), und dahin zielt auch der von ihm S. 34 erwähnte Rat eines hier nicht genannten Freundes der Stadt.(Nach einer Notiz in der Gymnaſialchronik war es der von Seidenbender wiederholt angeführte württembergiſche Ge⸗ heimerat von Rühl aus Stuttgart, ein geborener Wormſer, deſſen Tochter mit Seidenbenders Bruder verheiratet war). Weil er ſich aber ſelbſt ſagen muß, daß eine völlige Austreibung nicht möglich ſein werde, rät er zur denkbar größten Beſchränkung und Bedrückung der Juden, denn er ſieht in ihnen nur die Feinde Chriſti und ſeiner Vaterſtadt,


