Aufsatz 
Johann Friedrich Seidenbender's Vorschläge für die Wiederaufrichtung der Stadt Worms nach der Zerstörung derselben durch die Franzosen im Jahre 1689 / von August Weckerling
Entstehung
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VIII

Befoldung an die Spitze zu ſtellen; jedenfalls könne nicht daran ge⸗ dacht werden, den ganzen Magiſtrat ſowohl des XIIIer, als des jüngeren Rats und Gerichts, in voriger Zahl wiederherzuſtellen, da ja ſonſt, fügt er ſpottend hinzu(S. 32), bei ſo verringerter Bürgerſchaft faſt nichts als Ratsperſonen daſein würden. Leider iſt dieſen Vor⸗ ſchlägen Seidenbenders nicht Folge geleiſtet worden. Der Magiſtrat wurde ganz in der vorigen Weiſe wiederhergeſtellt und damit der Hauptgrund gelegt für die außerordentliche Stagnation aller Verhält⸗ niſſe, die ſich uns bei der Betrachtung der Geſchichte unſerer Stadt im vorigen Jahrhundert ſo ſehr bemerklich macht. Zur Entſchuldigung muß allerdings hinzugefügt werden, was ja auch Seidenbender andeutet, daß eine Veränderung ihre ganz beſondere Schwierigkeit gehabt hätte, weil nach den beſtehenden Verträgen bei der Wahl des Regiments der Biſchof mitzureden hatte, eine Veränderung alſo ohne deſſen Zuſtimmung nicht möglich geweſen, dieſe aber jedenfalls nur ſehr ſchwer zu er⸗ langen geweſen wäre. Hatte die biſchöfliche Partei doch bereits 1694, als die Stadt noch in der Aſche lag, durch eine in Mainz im Druck erſchienene Schrift(ſ. S. 64 oben) gezeigt, welche Abſichten ſie der bedrängten Stadt gegenüber hegte. Der Titel dieſer Schrift lautete: Potestas ac iurisdictio episcopi principis Wormatiensis in civitatem Wormatiensem. Mainz 1694. Gegen dieſe Schrift ließ der Magiſtrat durch den Juriſten Johann Chriſtoph Chriſt und den Stadtſchreiber L. Plappert eine Gegenſchrift verfaſſen, die unter dem Titel Apologia der Stadt Wormbs Contra Biſtum Worms 1695 gleichfalls im Drucke erſchien.

Beſſeren Erfolg hatte Seidenbender mit einem anderen Vorſchlage, der nicht minder zeigt, daß er ein einſichtiger, mit der Wirklichkeit ſtets rechnender Mann war, der, ſo ſehr er auch ein überzeugter Lutheraner war, ſich dadurch doch den Blick nicht trüben ließ für das, was für das Gedeihen der Stadt wirklich vorteilhaft war. Nachdem er nämlich die außerordentlichen Schwierigkeiten dargelegt, die ſich von allen Seiten dem Wiederaufkommen der Stadt entgegenſtellten, fährt er S. 66 fort, man müſſe das Wiederaufkommen der Stadt in ihr ſelbſt ſuchen dadurch, daß man ſie volkreich zu machen ſuche, was ſein rechtes Centrum in Aufrichtung der Commercien, Fabriken und Manufacturen habe. Dies ſei aber, ſo ſehr man ſich auch von religiöſem Standpunkte aus dagegen ſträuben möge, nur dadurch zu erreichen, daß man die in dem Religions⸗ und weſtfäliſchen Friedensſchluß etablierten Religionen(die Reformierten)