Aufsatz 
Johann Friedrich Seidenbender's Vorschläge für die Wiederaufrichtung der Stadt Worms nach der Zerstörung derselben durch die Franzosen im Jahre 1689 / von August Weckerling
Entstehung
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VII

oder wenigſtens in dem kleinen Begriff derſelben, dem Katechismus. Er iſt ein ſtrenger Anhänger des unverfälſchten Luthertums, der un⸗ veränderten Augsburgiſchen Confeſſion, die bis dahin die allein herrſchende Richtung in der Stadt geweſen und unbedingt auch bleiben müſſe. Darum fordert er die größtmöglichſte Vorſicht bei der Wahl der Pfarrer und ſinnt auf Mittel, die Prediger möglichſt feſt an die ſymboliſchen Bücher durch einen Eid zu binden. Die Indifferenten, die Leiſetreter, die es mit niemand verderben wollen, ſind ihm daher in der Seele verhaßt.(S. 21 u. S. 67.) Auf der Kanzel, ſagt er, muß man nicht pauſieren, ſondern das Maul aufthun, und denen, die pauſieren wollen, mit dem StabWehe den Takt ſelbſt geben. Doch fordert er überall wie von den Laien, ſo auch von den Predigern neben der Reinheit der Lehre vor allem auch ein reines Leben. Bei einem Pre⸗ diger, ſagt er S. 18, ſollen und müſſen drei Dinge predigen: 1. das Herz, 2. der Mund und 3. das Leben. Das Leben muß beweiſen, was der Mund ſpricht, und der Mund muß ſprechen, was das Herz fühlt, ſonſt iſt er wie eine klingende Schelle, die ein leblöſes Getön von ſich gibt. In demſelben Sinne ſpricht er ſich in betreff der Er⸗ ziehung der Jugend in dem ſehr leſenswerten Abſchnitt über die Schulen aus(S. 28 u. ff.) Intereſſant iſt, daß Seidenbender trotz aller Armut und allen Elends, in dem die Stadt und er ſich befinden, nicht vergißt, im Anſchluß an die Darlegung ſeiner Gedanken über die Schulen, die Möglichkeit zu erörtern, eine öffentliche Bibliothek zu begründen.

Gleich am Anfange ſeiner Arbeit gibt Seidenbender die 3 Haupt⸗ teile derſelben mit den Worten an, die wieder aufzurichtende Republik müſſe auf 3 Hauptſäulen begründet werden: 1. den Gottesdienſt, 2. gute Polizei und 3. vernünftiges Haushalten. Nachdem er deshalb S. 1 29 von dem Gottesdienſt gehandelt, geht er Seite 30 zum zweiten Abſchnitt über und legt auf S. 30 S. 41 unter den Ueberſchriften:das Regiment betreffendSchuldenlaſt unddie Judenſchaft ſeine hierher gehörigen Anſichten und Forderungen dar, worauf er auf S. 41 mit der Ein⸗ leitung zum Abſchnitt derStadt⸗Bauhof zum dritten Teile übergeht. In dem zweiten Teile zeigt ſich Seidenbender als ein einſichtiger Poli⸗ tiker, der wohl erkannt hatte, woran das Wormſer Gemeinweſen vor allem krankte, nämlich an dem für die kleine Stadt viel zu großen und zu koſtſpieligen Regierungsapparat. Nach ſeiner Meinung wäre es das Beſte,(S. 33) zwei gewiſſenhafte tüchtige Leute mit angemeſſener