Aufsatz 
Johann Friedrich Seidenbender's Vorschläge für die Wiederaufrichtung der Stadt Worms nach der Zerstörung derselben durch die Franzosen im Jahre 1689 / von August Weckerling
Entstehung
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vor. Als man dann endlich durch die Anzeige eines Mitſchülers den wahren Urheber der Brände entdeckt und zum Geſtändnis gebracht hatte, wurde das Urteil gefällt, daß der Verbrecher eigentlich lebendig ver⸗ brannt werden müßte, daß dies aber ſeiner Jugend wegen dahin ge⸗ mildert werden ſolle, daß er mit dem Schwerte enthauptet, und ſein Leichnam dann zu Aſche verbrannt werden ſolle. Auf vielſeitige Für⸗ bitte hin und mit Rückſicht auf den verdienten Vater wurde dann auch noch die Verbrennung des Leichnams erlaſſen; der Junge wurde, nach⸗ dem ihm auf dem Markte vor der Münze der Stab gebrochen worden war, hinausgeführt an den Rabenſtein und hier mit dem Schwerte hingerichtet, ſein Leichnam aber auf dem Armſünderplatz begraben. Wie ſehr dieſes traurige Vorkommnis die ganze Familie ergriffen und ernſt geſtimmt haben muß, liegt auf der Hand. Die beiden anderen Söhne, Johann Friedrich und Abraham Wolfgang, ſtudierten Jurisprudenz und widmeten ſich ſpäter dem Dienſte ihrer Vaterſtadt. Johann Friedrich, mit dem wir es hier allein zu thun haben, war geboren 1650 und wirkte, nachdem er ſeine S udien abſoloviert hatte, von 1675 an in Worms als des älteren Rats advocatus und causarum patronus, 1685 wurde er XIIIer, 1689 im Jahre der Zerſtörung der Stadt wurde er zum Gerichtsſchultheiß gewählt, von den Franzoſen aber zurückgewieſen, weil er ſeinem dem Kaiſer geleiſteten Eide treu blieb. Als die Stadt zerſtört wurde, ging Seidenbender mit den anderen Ratsmitgliedern nach Frankfurt und lebte dort im Exil bis zum Abſchluß des Ryswyker Friedens, nach dem der Rat endlich wieder nach Worms zurückkehren konnte. 1699 wurde Seiden⸗ bender wieder zum Schultheiß und in den folgenden Jahren noch zweimal zum Stättmeiſter gewählt. Seit 1708 bekleidete er auch bis zu ſeinem Tode im Jahre 1712 das hochangeſehene Amt eines kaiſerlichen Hof⸗ pfalzgrafen. Seidenbender war dreimal verheiratet und hatte aus dieſen 3 Ehen 8 Kinder. Von ſeinen beiden Söhnen trat der jüngere als Offizier in engliſche Dienſte und brachte es zur Stellung eines Oberſt eines hannövriſchen Regiments zu Fuß. Als derſelbe 1756 im Alter von 75 Jahren in Worms ſtarb, erloſch mit ihm die Familie. Johann Friedrich Seidenbender war ein gelehrter Mann, voller Thatkraft, Umſicht und Geſchäftskunde, vor allem aber von innigſter Liebe zu ſeiner Vaterſtadt beſeelt und ſtets auf das Wohl derſelben bedacht, weshalb denn noch in unſeren Tagen zum ehrenden Andenken an ihn eine Straße in Worms mit ſeinem Namen benannt worden iſt.