Aufsatz 
Die Römische Abteilung des Paulus-Museums der Stadt Worms : 2. Teil / von August Weckerling
Entstehung
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ein intereſſanter Beweis. Im Laurenzichor des Domes wurde am 26. November 1886 von Herrn Propſt Fehr bei ſeinen zur Er⸗ forſchung der Urſachen der Schäden dieſes Chores vorgenommenen Nachgrabungen das Grab des nach Schannat(Historia episcopatus Wormatiensis Francof. 1734) 1192 geſtorbenen Wormſer Biſchofs Konrad II. von Sternberg aufgefunden. Über das Grab vergleiche man Helbig, Prodromus Annalium Wormatiensium. Mogunt. 1615, über den ganzen Fund aber den Bericht des Herrn Domvikars Schnütgen im Korreſpondenzblatt der Weſtdeutſchen Zeitſchrift VI 1 Nr. 5; auch von Herrn Dompräbendat Schneider in Mainz wird der⸗ ſelbe eingehend behandelt werden. Wir wollen hier nur auf den Deckel des Sarges hinweiſen. Während nämlich der Sarg, in dem die Leiche des Biſchofs liegt, aus dem frühen Mittelalter zu ſtammen ſcheint, iſt der Deckel ſicher ein römiſcher Sargdeckel. Während ſich der Sarg, wie faſt alle mittelalterlichen Särge, nach den Füßen hin verjüngt, bildet der Deckel wie die der römiſchen Steinſärge genau ein Oblong, ſo daß er zu dem Sarge gar nicht ordentlich paßt, außerdem aber hat er die ſehr charakteriſtiſche, eine Verwechslung geradezu ausſchließende Form vieler römiſchen Sargdeckel, 4 Würfel an den 4 Ecken und eine dachförmige Erhöhung in der Mitte der Vorderſeite, im übrigen regelmäßige Abſchrägung nach den Seiten. Vor der erneuten Verwendung hat man, wie es ſcheint, um dem Deckel ſeine charakteriſtiſche römiſche Form etwas zu nehmen, mit einem ſtumpfen Meißel die 4 Würfel und die dachförmige Er⸗ höhung etwas abgehauen. Alſo ſogar für das Grab eines Biſchofs und zwar eines bedeutenden und berühmten Biſchofs, denn Konrad II. von Sternberg war ein ſtreitbarer Mann, der in der Geſchichte der Stadt Worms eine bedeutende Rolle geſpielt hat, hat man ſich mit einem alten römiſchen Steine beholfen, obwohl man es offenbar nicht für ganz paſſend hielt, den alten Heiden⸗ ſarg für ein Biſchofsgrab wieder zu benutzen, und ſich deshalb mit dem Deckel begnügte und dieſem in etwas wenigſtens ſeine charakteriſtiſche Form nahm. Da iſt es wahrlich nicht auffallend, daß ſich verhältnismäßig ſo wenige Steindenkmäler aus römiſcher Zeit hier erhalten haben. Sie ſind eben in früheſter Zeit ſchon anderweit wieder und wieder bis zur Unkenntlichkeit verarbeitet worden. Erſt ſeit den Zeiten der Renaiſſance erwachte das anti⸗