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intereſſanten Steines ſchließt mit den den Standort des Steines, d. h. ſeine Entfernung von dem Mittelpunkte der Stadt angebenden Buchſtaben C. V. L. I., was ſicher nichts anderes bedeutet als civitas Vangionum leuga una, etwa unſerem:„Nach Worms 25 Minuten“ entſprechend.(Die Vermeſſung römiſcher Straßen nach Leugen, dem alten galliſchen Wegmaß, war neben der nach römiſchen Meilen nicht bloß in Gallien, ſondern auch in Germanien allgemein üblich. Die Leuge, etwa 3000 natürliche Schritt zu 0,75 Mtr., verhielt ſich zur römiſchen Meile wie 3 zu 2.) Für die Größe und Bedeutung der durch dieſen Stein inſchriftlich be⸗ zeugten civitas Vangionum, wie ſie offiziell von den Römern genannt wurde, während ſich im Volksmunde der alte Name Borbetomagus nach wie vor erhielt, haben die Funde der 2 letzten Jahre unwiderlegliche Beweiſe gebracht, zugleich aber haben ſie auch aufs neue gezeigt, eine wie gewaltige Zerſtörung über das römiſche Worms hereingebrochen iſt. Überall, wo Reſte der römiſchen Stadt aufgefunden wurden, ſo insbeſondere auf dem Tafelacker der Firma Dörr und Reinhart und in der kleinen Wollgaſſe fand man ſie zuſammen mit Spuren von ſtarkem Brande und vollſtändiger Verwüſtung. überreſte der römiſchen Stadt ſind übrigens, wie im erſten Teile gezeigt worden iſt, innerhalb der heutigen Stadt im ganzen nur wenige bis jetzt aufgefunden worden; es mag deshalb hier die kürzlich dem Verfaſſer gewordene Mitteilung des Herrn Uhrmacher Körner eine Stelle finden, daß am Dominikanerplatz beim Bau des Hauſes Nr. 8(im Jahre 1872) verſchiedenes Mauerwerk und dazwiſchen zwei etwa 80 cm. hohe römiſche Dolien(Weinkrüge) gefunden worden ſeien. Da Herr Körner ſich ſtets für römiſche Altertümer intereſſiert und viele ſelbſt beſeſſen hat und verſichert, daß er die Krüge ſelbſt ge⸗ ſehen habe, ſo iſt an der Richtigkeit der Angabe nicht zu zweifeln, wenn auch Herr Körner nicht angeben kann, wo die Krüge hin⸗ gekommen ſind. Möglicherweiſe ſind es die beiden Dolien, die das Mainzer Muſeum aus Worms bkeſitzt.
Dafür, daß der Mangel an geeigneten Sandſteinen in der Nähe von Worms gerade hier beſonders häufig zu erneuter Be⸗ nutzung römiſcher Steindenkmäler und römiſcher Steinſärge Ver⸗ anlaſſung gegeben hat, ergab ſich im Herbſte des vorigen Jahres


